Blackmore’s Night • Secret Voyage • Steamhammer (SPV), 30.06.08

Es ist schon ein ruppiges Schlachtfeld voller Stacheldraht und Tretminen, auf das man sich begibt, wenn man sich mit harten Blackmore’s Night-Fans anlegt. So weichgespült die Ergüsse des 63-jährigen Ex-„Deep Purple“-Gitarristen Richie Blackmore und seiner 26 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Candice Night auch sein mögen, so pazifistisch der mittelalterlich verbrämte Singsang auch daherkommt – wenn es um Kritik am süßholzraspelnden Schmachtstimmchen der Amerikanerin geht, schrecken sie nicht einmal vor Morddrohungen zurück, wie nach dem Konzert vor zwei Jahren auf der Creuzburg. Meine Meinung ändere ich deshalb trotzdem nicht: „Blackmore’s Night“ sind nicht nur Schmach und Schande für den einstmals besten Gitarristen der Welt, der hier ins zweite Glied verfrachtet wird, sondern so aufregend wie eingeschlafene Füße…eine Mischung aus Yvonne Catterfeld und „Kelly Family“, die von beiden Seiten die schlechtere Hälfte erwischt hat. Absolut gruseliger Stoff, der zu Tränen rührt – vor Verzweiflung! (Klaus Peter Kaschke)

V.A. – neopop 06 | 1st Decade (SPV), 17.11.06

Nummer 6 der 1st Decade – Samplerreihe wirkt beim ersten Durchhören etwas verhalten. Immerhin hatten gerade die beiden Vorgänger Neopop 04 und 05 die Messlatte für all ihre Nachfolger verdammt hochgelegt. Dazu kommt, dass die fünfte Ausgabe mit einem derbe rockenden DJ-Set als Bonus um die Ecke kam. Das ist diesmal nicht der Fall. Trotzdem ist es den Label-Hausherren Northern Lite wieder gelungen, neben den beiden eigenen Stücken vom aktuellen Album Songs zu kompilieren, auf deren Zusammenstellung man so gar nicht gekommen wäre. Dabei treffen die fabelhaften Royksopp („alpha male“) auf Console, die dann auf Goldcut und irgendwann röhrt Peaches ihr „you love it“ fordernd heraus. Der gemeinsame Kontext ist eine irgendwie elektronisch geprägte Ausgangssituation, die sich aber in sehr differenzierten Stimmungslagen äußert. Mal sehr ruhig, dann wieder ab durch die Decke. Neuentdeckungen wie die 1st Decade-Newcomer Chapaeu Claque (erinnern etwas an Klee) würzen und nach zwei Durchläufen ist es wieder stimmig und gewohnt stilvoll. (mb)