Broken Bells • Broken Bells • Sony BMG, 05.03.10

Mit Brian Burton alias Danger Mouse und The Shins-Sänger James Mercer haben zwei Koryphäen der US-Indie-Szene zusammen ins Studio gefunden. Herausgekommen sind 20 Songs, von denen es zehn auf das Debütalbum Broken Bells geschafft haben. Mit Ausnahme der Streicher hat das Duo alle Instrumente selbst eingespielt. Von Mercer stammen die Gesangs-, Gitarren- und Bass-Parts, Burton ist an Orgel, Schlagzeug, Klavier, Synths und Bass zu hören. Der Mischpultmagier, bekannt als die eine Hälfte von Gnarls Barkley oder Gorillaz-Produzent, bezeichnet das Soundgemisch aus sphärischem Pop und groovigem Soul als „melodisch, aber experimentell“. Genres interessieren ihn nicht: Die Single „The High Road“ ist eine düstere Folkballade, das überirdische „Your Head Is On Fire“ könnte auch von den Beach Boys stammen und „Vaporise“ erinnert mit Bläser- und Orgelklängen an einen von Morricone komponierten Italo-Western-Klassiker. Die grandiose Platte der Broken Bells soll zum Glück kein One-Off-Projekt bleiben. (André Gieße)

Clueso • So sehr dabei • FourMusic/Sony BMG, 30.05.08

Hoppla, was hat dieser junge Mann für eine Entwicklung hinter sich. Die Dreißig noch vor sich, aber bereits drei Alben im Backkatalog und jetzt Nummer vier frisch in den Regalen. Und immer ging es dabei einen Schritt vorwärts, aber eben auch nie einen zu viel, der die Gefahr des Stolperns, des zu schnellen Erfolgs in sich getragen hätte. Erfurt ist eben doch weit genug weg, um ungestört arbeiten zu können. So sehr dabei geht den musikalischen Weg konsequent weiter, den bereits das Vorgängerwerk deutlich markierte. Gerade im direkten Vergleich zu diesem zeigt sich auch deutlich, dass der Songwriter Clueso mehr als je zuvor in sich zu ruhen scheint. Statt nervösem Erfolgsdruck präsentiert man sich entspannt, gelassen, oft auch nachdenklich. Keine Ausreißer, dafür instrumentale Finessen an allen Ecken, welche Cluesos kleine Alltagsgeschichten zu echten Songperlen machen. Ob die Geisterstadt aus Beton, wie es sie im Osten zigfach gibt, eine Utopie oder Barfuss („jeder noch so kleine Teich sollte verbunden sein zum Meer…“) – es macht echt Freude zuzuhören. (Michael Baller)

MGMT • Oracular Spectacular • Red Ink/Sony BMG, 02.05.08

Bevor die Kunststudenten Andrew Vanwygarden und Ben Goldwasser das unkonventionelle Projekt MGMT (ausgesprochen: Management) gründeten, experimentierten sie lange Zeit mit schrägen Computersounds. Ihr Debüt Oracular Spectacular überschreitet diese Grenze, konfrontieren traditionelle Rockinstrumenten mit tanzbare Beats und bildet eine faszinierende Melange aus Indie-Pop und Elektro-Trash. Musikalisch eng an die Flaming Lips gelagert, befördert MGMTs „Psychedelic-Weirdo-Pop“ mitunter Halluzinationen. Kreuz und quer wird sich durch die Musikhistorie zitiert. Nicht nur äußerlich trägt das stylische New Yorker Duo seine Vorliebe für Hippietum und New Wave zur Schau. Geschickt vereinen die Songs verwaschene Postrock-Gitarren mit nervösen Synthies und werden so zur kribbelbunten Genrekollage mit tausend schrillen Facetten: Kurz geschüttelt, mal eben auf den Kopf und wieder auf die Beine gestellt – fertig ist eine spektakuläre Noise-Pop-Platte zum Liebhaben, Kaufen und mit nach Hause nehmen. (André Gieße)

Kasabian • The West Ryder Pauper… • Columbia (Sony BMG), 05.06.09

Die Rave-Rocker von Kasabian hatten ja schon immer ein Faible für das Dramatische. Und so verwundert es nicht, dass die dritte Platte der vier Jungs aus dem englischen Leicester nach einer historischen Irrenanstalt für Amre betitelt ist. Das psychedelische Konzeptalbum entstand unter Mithilfe von DJ-Shadow-Produzent Dan „The Automator“ Nakamura und ist von Filmen wie (Alejandro Jodorowskys) „Holy Mountain“ beeinflusst. „Es ist der Soundtrack zu einem imaginären Film. Wir möchten, dass die Leute es im Ganzen anhören“, sagt Gitarrist Sergio Pizzorno, nach dem Ausstieg von Chris Karloff im Jahr 2006 alleiniger Songwriter bei Kasabian. Mit The West Ryder Pauper Lunatic Asylum erweitern er und seine Mitstreiter ihr Soundspektrum um neue Elemente wie Surfpop oder TripHop. In Psycho-Thriller-Manier wiegen sich Morricone-artige Arrangements zu treibenden Beats, rotzigen Garagenelektro-Riffs und dem schnodderigen Gesang von Tom Meighan. Das Endergebnis klingt bedrohlich düster und groovt wie Hölle. (André Gieße)

Incubus • Light Grenades • Smi Col (Sony BMG), 24.11.06

Endlich! Nach fast drei Jahren gibt es ein neues Album von Incubus! Und die Zeit, die sie sich dafür genommen haben war jede Sekunde wert! Light Grenades ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Wohlklang für die Ohren und mit Sicherheit werden die Videos zu den Singles wieder ein Augenschmaus sein. Das Album ist verspielter als seine Vorgänger. Anna Molly erinnert an Morning View: „Wish you were here, I‘m a wounded satellite“. Ein Satellit, der so schön im Orbit fl iegt, dass man an ihn nach jeder Umrundung wieder von vorne starten lassen möchte. Light Grenades ist erwachsen, voller technischer Spielereien und wunderschön dominiert von Brandon Boyds Stimme. Brendon O‘Brien, u.a. Produzent von Pearl Jam und Audioslave, hetzte die Band nicht, sondern ließ ihr bei der Produktion ungewöhnlich viel Zeit. Die Texte von Incubus zu interpretieren sei nach wie vor jedem selbst überlassen, denn wie bei jedem ihrer Alben hat man hierfür viel Spielraum! Incubus legen ihre eigene Messlatte sehr hoch und man kann auf den Nachfolger gespannt sein. Aber jetzt heißt es erstmal Light Grenades mental explodieren zu lassen und es zu genießen. (Sebastian Baller)

Seite 1 von 212