Hot Chip • One Life Stand • Parlophone/EMI, 29.01.10

“Ich fühle mich immer wie von selbst zu einfachen, ehrlichen Sachen mit aufwändiger Produktion hingezogen, wie ‚Love Can’t Turn Around’. Auch wenn ich mich gern in Underground-Nummern verliere, zieht mich Musik mit Hooks trotzdem an.“ Joe Goddard, neben Alexis Taylor treibende Kraft von Hot Chip, bringt die Philosophie hinter One Life Stand treffend auf den Punkt. Der phantastische Fünfer aus London serviert mit dem Nachfolgewerk des vormals kühleren Made In The Dark Langspielers ein Stück organische Dancemusik abseits aalglatter, seelenloser Hochglanzproduktionen. Von den Grundbausteinen House und Techno ist im allgemeinen Verständnis nicht viel übrig, zu breit ist die Palette an Einflüssen und Stilnoten im Songwriting der Band. Das gospelartige Hand Me Down Yor Love würde auch einer Moby-Platte gut zu Gesicht stehen während I Feel Better ein schon fast todsicherer Clubklassiker ist. Die Hooks sitzen perfekt und doch charmant natürlich. Hot Chip bleiben Könner. Clubmusik mit Seele. (Michael Baller)

Coldplay • Viva La Vida • Parlophone/EMI, 13.06.08

Gigantisch waren die Erwartungen an das vierte Coldplay-Album, entsprechend lebhaft die Spekulationen darüber. Von Mut, Neuanfang und Ausverkauf war die Rede. Allein der Titel stiftete Verwirrung. Nein, Viva La Vida ist nicht die brandneue Schnulze von Ricky Martin. „Dieses Album wurde von dem Wunsch angetrieben, von Schwarzweiß ins Farbspektrum zu wechseln“, erklärt Frontmann Chris Martin. Kein Wunder, diente doch ein Gemälde der Mexikanerin Frida Kahlo als Inspiration. Ähnlich kunstaffin wirkt auch der polierte Sound der zehn sphärischen Kleinode: Neben warmen Gitarren- und Pianotönen wurden erstmals Kirchenorgeln, Chöre und Elektronika integriert. Zugegeben, der berüchtigte Bluthund, den die vier freundlichen Briten mit Hilfe von U2-Produzent Brian Eno von der Leine lassen wollten, entpuppt sich als penibel gestriegelter Pudel. Oder als Diamant ohne Kanten. Statt leidenschaftliche Wellen zu schlagen, ergehen sich die filigranen Melodien der Softrocker häufig in angestrengter Raffinesse. (André Gieße)