„Changes“ heißt das erste Stück auf dem neuen, mittlerweile achten Studioalbum der Donots. Ein Lied, das nicht ohne Grund „The Long Way Home“ eröffnet. Den Richtungswechsel, den sie mit der letzten Platte „Coma Chameleon“ eingeläutet haben, setzen die fünf Jungs aus Ibbenbüren darauf fort. So kommen neue Instrumente, darunter Akustikgitarren, zum tragen und in den Refrains hört man öfters Chöre. Aber die Donots wären nicht die Donots, wenn es nicht auch Songs gäbe, die einem mitten in die Fresse schlagen und deren Hooks einem nicht mehr aus dem Ohr gehen. „Calling“, die erste Single, ist so einer: Es handelt sich um einen Rockdiskokracher, von dem man denken könnte, dass man es schon sein ganzes Leben kennt. Mit „The Long Way Home“ markiert die Band die Rückkehr zu ihren Wurzeln und deshalb haben die Songs auch erstmals einen 80er-Jahre-Wave-Einschlag. Selbstbewusst und detailverliebt präsentieren die Donots die elf Stücke in einer neuen Art und Weise, bleiben sich dabei aber immer treu. (Sonja Berg)
Donots • The Long Way Home • Solitary Man/Indigo, 26.03.10
The Charlatans – You Cross My Path | Cooking Vinyl (Indigo), 09.05.08
Gerade als wir unsere alten Stone Roses-Scheiben mal wieder entstauben, flattert unverhofft die neue The Charlatans-Platte You Cross My Path ein. Sofort werden Erinnerungen an die frühen 90er, an „Madchester“, Hacienda und Rave-Bewegung wach. Also schnell ausgepackt und abgespielt. Was sagt der Beipackzettel? Aufgenommen wurde in L.A., Irland und im eigenen Studio; die Produktion legte man erneut in die Hände von James Spencer – soweit die Fakten. Doch Euphorie folgt bald Ernüchterung, denn mit coolem Dance-Rock hat You Cross My Path nur entfernt zu tun. Obwohl sich die fünf Mancunians alle Mühe geben, klingt Album Nummer zehn recht harmlos. Zugegeben, ein paar feine Melodien gelingen The Charlatans schon. Doch vereinzelten Lichtblicken folgt oft einfallsloses Allerlei. Musikalischer Taktgeber der verhaltenen Songs sind zwar immer noch Tim Burgess honigsüßer Gesang, funkige bis treibende Gitarrenrhythmen und psychedelische Orgelklänge, nach Hymnen kann man hier allerdings lange suchen. (André Gieße)
Tele – Jedes Tier | Tapete (Indigo), 05.06.09
Für die einen ist es deutscher Indie-Schlager, für die anderen die perfekte Symbiose aus Emotionalität und Lyrik. Tele erzählen auf ihrem neuen Album Jedes Tier wieder Geschichten aus dem Leben, bei denen jeder die Texte von Francesco Wilking auf seine ganz eigene Art und Weise interpretiert. Und dann gibt es Stellen wie „Da ist ein Loch in der Brust wo mein Herz war, bitte sag mir wann lässt dieser Schmerz nach“ die eindeutiger und passender nicht sein könnten. Neben den Lyrics sind es vor allem die süßen Orgelmelodien und funkigen Gitarren, die zum Tanzen einladen, die Jedes Tier ausmachen. Qualitativ erinnert die neue Scheibe an Tele’s Meisterwerk Wovon sollen wir leben. Das war den Berliner Jungs zuletzt nicht immer gelungen war. Weiter erwähnenswert ist, dass Tele nach zwei Langspielern bei einem großen Majorlabel wieder zurück zu ihren Wurzeln gekehrt sind, dem sympathischen Indie-Label Tapete Records aus Hamburg. Besser könnten Musik und Rahmenbedingungen kaum zusammen passen. (sjb)
