Miss Platnum • The Sweetest Hangover • Four Music, 04.09.09

Da staunten kürzlich nicht wenige Besucher des Open Flair Festivals, als plötzlich Peter Fox seine Bühne räumte und das Mikro an Ruth Maria Renner alias the famous Miss Platnum übergab. Und die zeigte den überraschten Festivalgängern sofort, was man als Balkan-Soul-Party zu verstehen hat. Die Berlinerin mit elterlichen Wurzeln in Rumänien experimentiert auch auf The Sweetest Hangover erneut mit Balkanklischees in Verbindung mit ihrer markanten Soulstimme. Bei dem auch als Single ausgekoppelten She moved in vibriert anfangs ein Ohrwurmsicheres HipHop-Intro, um nur kurz darauf im kreisenden Strudel eines Gipsypogo den Tanzbär durchs urbane Dorf zu jagen. Wer anschließend aber eine stupide Polkaseeligekeit erwartet, wird enttäuscht. The Sweetest Hangover präsentiert viel mehr eine Sängerin, die ihren ganz persönlichen Soul zelebriert: echt, erdig und spannend. Da ist es nur konsequent, dass ein komplettes Blasorchester für das nötige Soundgrundgerüst sorgte. Den Schuss Pop liefert das Produzentenduo The Krauts. (Michael Baller)

Max Herre • Ein geschenkter Tag • Nesola/Four Music, 18.09.09

Sehr reduziert, mit akustischen Gitarren statt treibenden Beats, kommt Max Herre auf seinem zweiten Album daher. Wer hier altbekannte Sounds und soulige HipHop-Songs erwartet, wird erstmal vor den Kopf gestoßen. Schmiss der ehemalige Freundeskreis-Frontmann auf seinem ersten Soloalbum noch bunt mit den Musikstilen um sich, geht Ein geschenkter Tag
ganz klar in Richtung Singer/Songwriter. Lässt man sich auf den neuen Max Herre ein, entwickelt die Platte ganz neue Qualitäten. Lyrische, tiefgründige Texte bestimmen das Oeuvre, sie sind sentimental und im nächsten Moment wieder sehr optimistisch. Der Player von früher ist musikalisch und auch inhaltlich ziemlich sanft geworden. Und wenn man genau hinhört, kann man an vielen Stellen eine Aufarbeitung seiner Trennung von der Sängerin Joy Denalane erkennen. Zwar ist das nicht unbedingt das, was man von einem Max Herre-Album erwarten würde, und doch ist es perfekt, um sich an stürmischen Herbsttagen zu Hause zu verschanzen und Tee zu trinken. (Sonja Berg)

Dennis Lisk • Suchen & Finden • Four Music/Sony BMG, 10.07.09

Dennis Lisk-Suchen & Finden

Denyo 77 gehörte zusammen mit Jan Delay zu einer der stilprägendsten deutschen HipHop-Bands – den Absoluten Beginnern. Unter seinem richtigen Namen Dennis Lisk geht Denyo jetzt eigene Wege fernab des HipHops. Wer auf Suchen & Finden Synthesizer und fette Reime sucht, wird enttäuscht. Dabei tauscht Dennis die Samples gegen Streicher und Gitarren. Das ganze Album erinnert sehr an die neuen, populären Wege von Kollege Clueso. Hitproduzent Moses Schneider, der sonst mit Bands wie Tocotronic oder den Beatsteaks arbeitet, war hier mit am Werk. Die gesamte Instrumentalisierung und auch die Texte wirken sehr erwachsen, persönlich und reflektiert, aber nicht so spielerisch leicht wie aus der Feder eines Thomas Hübners. Irgendwann sticht textlich besonders hervor, Lass los, die erste Single, ist ein kleiner Ohrwurm. Ob es Dennis Lisk schafft, mit seinen neuen Kompositionen ebenso erfolgreich zu werden wie sein Buddy Jan Delay bleibt allerdings abzuwarten. (sjb)