Nach dem rüden Instrumentalwerk „The Effects Of 333“ macht der Black Rebel Motorcycle Club auf seinem fünften Studioalbum wieder mit bluesinfizierten Rocksongs von sich reden. Der Titel „Beat The Devil’s Tattoo“ ist einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe entlehnt und spielt Bandaussagen zufolge auf Nerventicks wie nervösem Fingertrommeln an. Mit dem neuen Material schlagen die Schwarzledernen aus San Francisco Brücken zwischen den verschiedenen Schaffensphasen ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte. Trotz einer personellen Frischzellenkur – Leah Shapiro hat Nick Jago hinter dem Schlagzeug ersetzt – verzichtet der Dreier diesmal auf jegliche Experimente. Zum stampfenden Beat der Ex-Raveonettes-Drummerin und dem rauchigen Gesang von Peter Hayes und Robert Levon Been durchsieben heulende Stromgitarren trübe Klangschwaden. Neben psychedelisch pulsierenden Brennstäben servieren B.R.M.C. aber auch feinfühligen Americana, weshalb Akustikklampfe und Mundharmonika nicht fehlen dürfen. (André Gieße)
B.R.M.C • Beat The Devil’s Tattoo • Cooperative/Universal, 12.03.10
Midlake • The Courage Of The Others • Bella Union/Cooperative/Universal, 29.01.10
Es dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben, dass die fünf bärtigen Burschen von Midlake etwas für Folkrock übrig haben. Während auf ihrer furiosen zweiten Platte noch Neil Young und Fleetwood Mac als Ideengeber für manche handgeschnitzte Melodie herhalten mussten, zitiert die Band auf The Courage Of The Others britische Ikonen wie Fairport Convention. Auch aus ihrer Vorliebe für den psychedelischen 70ies-Sound von Jethro Tull machen die früheren Jazzstudenten aus Texas keinen Hehl. Obwohl ihr dritter Langspieler langsamer und dunkler als der Vorgänger ausfällt, klingen die neuen Songs immer noch wunderbar altmodisch und spiegeln neben Natureindrücken häufig persönliche Erlebnisse wider. Auch musikalisch gehen Midlake auf Tuchfühlung: Die Synthesizer wurden fast vollständig durch eine Schallmatrix aus Flöten, akustischen und elektrischen Gitarren ersetzt. Darüber ruhen warme Geigen- und Pianoklänge. Sie umschließen den sehnsüchtigen Gesang von Tim Smith und läuten das Ende des Winters ein. (André Gieße)
The Maccabees – Wall of Arms | Cooperative (Universal), 29.05.09
Für ihren zweiten Langspieler haben sich The Maccabees nicht auf die Hype-Maschinerie der britischen Musikpresse verlassen, sondern fleißig an ihren eingängigen Rockmelodien gefeilt. Während es auf dem vielgelobten Debüt des Quintetts aus Brighton noch um Zahnpasta-Küsse und Lieblingsspielzeug ging, wirkt Wall Of Arms wesentlich tiefgründiger, ja fast schon düster. Auch musikalisch sind die Jungspunde mit dem biblischen Bandnamen gereift. Statt eine quirlige Tanznummern nach der anderen abzufeuern, experimentierten die Briten diesmal mit atmosphärischen Echos und vielschichtigen Gitarrenteppichen. Dabei erinnert die brüchige Stimme von Sänger Orlando Weeks an die frühen The Cure oder The Smiths. Es wäre allerdings nicht verwunderlich, wenn sich beim Stöbern in der heimischen Plattensammlung der Maccabees auch ein Exemplar der letzten Arcade Fire-Platte fände. Immerhin haben die Jungs mit Mark Dravs den Produzenten an Land gezogen, der schon für das epische Neon Bible verantwortlich war. (André Gieße)
