MGMT • Congratulations • Columbia/Sony Music, 09.04.10

„Wie Surfen auf Ecstasy.“ Mit diesem Bild beschreiben MGMT aus New York ihr zweites Album. Der Vergleich passt wie Arsch auf Eimer. Und zwar nicht nur wegen des knallbunten Comiccovers. Begeisterten die beiden Paradiesvögel Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser auf ihrem furiosen Debüt vor zwei Jahren noch mit einer postmodernen Hitmixtur aus Hippietum und New Wave, eröffnet sich dem Hörer nun ein komplexes Gesamtkunstwerk aus schrammeligen Gitarren und schrillen Keyboards. Auf seiner musikalischen Odyssee plündert das Duo die letzten fünf Dekaden; passiert überschwänglichen Surfpop, kentert in psychedelischem Folkrock und strandet schließlich bei trashigem Elektrosound. Auch wenn MGMT diesmal jegliche Art von Ironie über Bord geworfen haben wollen, wirken die Lyrics verschroben. Während der Opener „It’s Working“ den Klimawandel thematisiert, handelt das zwölfminütige „Siberian Breaks“ vom Wellenreiten im Nordpolarmeer vor Russland. Zu Nebenrollen darf man übrigens Lady Gaga und Brian Eno gratulieren. (André Gieße)

Kasabian • The West Ryder Pauper… • Columbia (Sony BMG), 05.06.09

Die Rave-Rocker von Kasabian hatten ja schon immer ein Faible für das Dramatische. Und so verwundert es nicht, dass die dritte Platte der vier Jungs aus dem englischen Leicester nach einer historischen Irrenanstalt für Amre betitelt ist. Das psychedelische Konzeptalbum entstand unter Mithilfe von DJ-Shadow-Produzent Dan „The Automator“ Nakamura und ist von Filmen wie (Alejandro Jodorowskys) „Holy Mountain“ beeinflusst. „Es ist der Soundtrack zu einem imaginären Film. Wir möchten, dass die Leute es im Ganzen anhören“, sagt Gitarrist Sergio Pizzorno, nach dem Ausstieg von Chris Karloff im Jahr 2006 alleiniger Songwriter bei Kasabian. Mit The West Ryder Pauper Lunatic Asylum erweitern er und seine Mitstreiter ihr Soundspektrum um neue Elemente wie Surfpop oder TripHop. In Psycho-Thriller-Manier wiegen sich Morricone-artige Arrangements zu treibenden Beats, rotzigen Garagenelektro-Riffs und dem schnodderigen Gesang von Tom Meighan. Das Endergebnis klingt bedrohlich düster und groovt wie Hölle. (André Gieße)

Dúné • Enter Metropolis • Columbia/Sony BMG, 14.08.09

Dúné-Enter Metropolis

Glaubt man Umfragen britischer Wissenschaftler, sind die Dänen das glücklichste Volk der Welt. Die dänischen Jungspunde von Dúné hinderte diese Studie offensichtlich nicht daran, Smørrebrød und Labskaus den Rücken zu kehren, um ihr Glück anderswo zu suchen. Nach unzähligen Festivalauftritten, einer Tour um den halben Erdball und einem Kurzaufenthalt in Kopenhagen, hat es die sieben Elektro-Rocker aus dem verschlafenen Skive inzwischen nach Berlin verschlagen. Das ständige Unterwegssein spiegelt sich auch in ihrem zweiten Album Enter Metropolis wider. „Die neuen Songs handeln von dem pulsierenden Leben in der Großstadt. Es geht einfach darum, die Jugend zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben“, erklärt Frontmann Mattias Kolstrup. Auch musikalisch setzen Dúné auf Veränderung. Dabei experimentieren die dänischen Newcomer stellenweise mit rauen Heavy Metal-Klängen. Ihre Mischung aus gefühlsbetontem Gesang, ungestümen Gitarren- und Keyboardmelodien klingt aber immer noch extrem tanzbar. (ag)