Opulent und bombastisch, mit diesen beiden Adjektiven lässt sich das neue, zweite Album von Konstantin Gropper alias Get Well Soon am besten beschreiben. War Rest Now Weary Head schon von der Instrumentierung und der musikalischen Umsetzung kolossal, legt Vexations noch mal nach. Das Album beginnt mit Streichern und Vogelgesängen, die Gropper im elterlichen Garten aufgenommen hat. In jedem der 14 Lieder kann man kleine, feine Besonderheiten entdecken, konzentriertes Hinhören wird allerdings vorausgesetzt. Während Konstantin Gropper an seinem Debütalbum über einem Zeitraum von mehreren Jahren feilte, hatte er für den Nachfolger nur wenige Wochen, was seiner Kreativität aber nicht geschadet hat. „We are Ghosts“ summiert die Genialität des neuen Materials: Eingängig, wunderbar umgesetzt und doch nicht beim ersten Hören zu fassen. Auf Hitsingles wurde hier allerdings kein Wert gelegt, das gesamte Album ist der Star, und das zu Recht. Vexations gilt somit bereits im Januar als Kandidat für die Meisterwerke des Jahres 2010. (Sonja Berg)
Get Well Soon • Vexations • City Slang, 22.01.10
The Notwist – The Devil, You+Me | City Slang (Universal), 02.05.08
Sechs Jahre ist es her, als mit Neon Golden ein absoluter Klassiker in Sachen zeitloser Musik den Weg ins Plattenregal schaffte. Eine verdammt lange Zeit für eine Band, die sich offiziell nie aufgelöst hatte. Oder gerade genug Zeit, um ein solches Werk ausreichend oft zu genießen und zu entdecken. Jetzt also der Nachfolger, die Messlatte liegt verdammt hoch und vielleicht ist deshalb der Anlauf so lang. Gleich zu Beginn können es sich die Weilheimer nicht verkneifen, uns mit Good Lies für einen kurzen Moment noch einmal zurück ins Jahr 2002 zu zitieren, um kurz darauf das beruhigende Gefühl wieder aufkommen zu lassen, ab jetzt doch eine völlig neue Entdeckungsreise anzutreten. Die ersten Eindrücke dabei: atmosphärisch, ungemein vielschichtig und trotzdem entspannt lässig. Neben so dahin klickender Elektronik setzt das Trio völlig schlüssig Streicher oder klassische Bläsersätze, ohne nach „wir machen jetzt mal Kunst“ zu klingen. Auch dieses Album verdient ganz viel Zeit, um ein Urteil zu fällen. (Michael Baller)
