Turin Brakes • Outburst • Cooking Vinyl, 26.02.10

Die Turin Brakes haben den Reset-Knopf gedrückt: Nach mehr oder weniger erfolgreichen Jahren auf dem Gehaltszettel großen Plattenfirmen veröffentlicht das Duo aus London nun erstmals ein Studioalbum beim schnuckeligen Indie-Label Cooking Vinyl. „Je weniger Vermittler es zwischen uns und den Leuten gibt, die sich für unsere Musik interessieren, desto besser“, erklärt Olly Knights. Für den ihn und seinen Kollegen Gale Paridjanian ist Outbursts auch künstlerisch ein Neuanfang. Von beiden Freunden in Eigenregie eingespielt, aufgenommen und produziert stellt das fünfte Werk eine Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitsweise der Band dar. Entsprechend verzaubern ihre sonnigen Popsongs und gefühlsbetonten Folknummern überwiegend durch Gitarre und Gesang. Dabei geht der von Akustikklampfen getragene, apokalyptisch anmutende Eröffnungstrack „Sea Change“ ebenso unter die Haut wie der bittersüße „Rocket Song“ oder „Paper Heart“, ein Klagelied im Walzertakt mit majestätischen Piano- und Streicherpassagen. (André Gieße)

The Album Leaf • A Chorus of Storytellers • Sub Pop, 05.02.10

Mit einer Platte von The Album Leaf verhält es sich wie mit einem Mondspaziergang: Ohne es vermeiden zu können, verliert man die Bodenhaftung. Seit zehn Jahren entwirft Jimmy LaValle, kreativer Kopf des Projekts, traumhaft schöne Soundlandschaften und gaukelt unseren Synapsen das Gefühl der Schwerelosigkeit vor. Im Gegensatz zu den Anfangstagen im heimischen Schlafzimmer hat der Multiinstrumentalist und Songwriter aus San Diego für die Aufnahmen des sechsten Albums erstmals seine Tourband ins Studio gelassen. Der Titel A Chorus Of Storytellers reflektiert diese Trendwende: „Es hat fast drei Jahre gedauert, das Album aufzunehmen. So viele verschiedene Dinge haben da hineingespielt und es verbergen sich viele Geschichten dahinter“, sagt LaValle, der sich zunehmend vom Tüftler zum Sänger mausert. Er betört durch minimalistische Elektronikklänge und zarten LoFi-Pop. Getragen werden seine elf unaufdringlichen Kompositionen von Gitarre, Keyboard, einem isländischen Blasensemble und ein paar Sinfonikern. (André Gieße)

Trus’Me • In The Red • Fat City/Groove Attack, 11.12.09

Bereits zum Ende des Jahres 2007 gelang es dem Briten David Wolstencroft alias Trus’Me mit seinem Debüt Working Nights, noch einen echten Jahrgangsklassiker hinzulegen. Sein Soul- und Afrobeat-basierter Discohouse versetzte nicht nur den lokalen Plattenhändler in Verzückung, sondern ist seitdem auch ständiger Bestandteil eines jeglichen DJ-Sets des Rezensenten. Zur Jahreswende folgt jetzt das lang ersehnte neue Album. In The Red schließt nahtlos an den vor Sample- und Detailliebe strotzenden Vorgänger an. Musikalische gereift hat der DJ, Produzent und Musiker aus Manchester sein Talent um echtes Soundwriting erweitert und präsentiert nun ein kohärentes Werk aus acht in sich verwobenen Titeln. So rund wie eine gut geschnittene Schallplatte nur sein kann. Kongeniale Unterstützung gibt es von Amp Fiddler und Wunderkind Dam-Funk von Stone Throw Records. Absolutes Highlight ist das minimalistische „Sweet Mother“: Ein treibender Song aus der Zeit, als der Soul seine afrikanischen Wurzeln entdeckte. (Falco Stienen)

The Accidents • All time high • Rock Alliance

Schon einmal in Schweden gewesen und Appetit auf ein kühles Bier gehabt? Das mit der Temperatur dürfte dabei für die Skandinavier das geringere Problem darstellen. Doch von wegen mal eben in der Kneipe an der Ecke oder gar im Lieblingsclub ein frisch gezapftes – nahezu unbezahlbar! Doch noch viel beklemmender ist das Gefühl, für richtiges Bier – wir reden mal nicht von skandinavischen „lättöl“ („leichtes Bier“ 2%Vol.) – in einen staatlichen „Systembolag“ – Laden zu gehen, dort eine Nummer zu ziehen und etwas später am Ladentisch seine alkoholischen Schätzchen für unverschämt teueres Geld in Empfang zu nehmen. Alles in allem also ziemlich fi ese Hürden, die einem die Lust am Thema Bier ganz schön verderben können. Daher verstehe ich es bis heute nicht, warum ausgerechnet aus dem Musikwunderland Schweden immer wieder Bands in unsere mitteleuropäischen CD-Player drängen, bei denen dann bereits nach den ersten zwei, drei Songs ein Gemisch aus Benzin und Bierdunst in der Luft liegt. Wie machen die das?

Weiterlesen »

The Fratellis – Here We Stand | Universal, 06.06.08

Das fulminante Debüt der Schotten The Fratellis verdankte einst seine frühe Entdeckung auf den diggla–Plattenseiten noch einem völlig irrwitzigen Umstand. Mit seinem Plattencover passte es aber so was von genau zur eben fertigen 50s-Retrodesign-Ausgabe, dass sie einfach zwingend ins Heft musste. Immerhin war auch der Sound vorn dabei, die Sache war gegessen. Dass Costello Music zu einer der Überfliegerplatten aus UK in 2006 werden würde, ahnte da noch niemand. Jetzt also Streich zwei, die Platte nach dem Hype um die Jungs und ihren Hit Chelsea Digger. Mit entsprechender Neugierde landet Here We Stand im Player, um dort mit My Friend John gleich mal an den typischen Tugenden des Erstlings anzuknüpfen. Statt Kaffee würde man sich jetzt lieber ein Bier abholen, um dann zusammen mit seinen besten Kumpels eine gute Zeit zu haben. Mitsingen, mitfeiern, mehr braucht eine gute Rock’n’Roll-Sause nicht. Nicht nur daheim in Glasgow wird man diese drei Rabauken weiter lieben. (Michael Baller)

Seite 1 von 41234