Dúné • Enter Metropolis • Columbia/Sony BMG, 14.08.09

Dúné-Enter Metropolis

Glaubt man Umfragen britischer Wissenschaftler, sind die Dänen das glücklichste Volk der Welt. Die dänischen Jungspunde von Dúné hinderte diese Studie offensichtlich nicht daran, Smørrebrød und Labskaus den Rücken zu kehren, um ihr Glück anderswo zu suchen. Nach unzähligen Festivalauftritten, einer Tour um den halben Erdball und einem Kurzaufenthalt in Kopenhagen, hat es die sieben Elektro-Rocker aus dem verschlafenen Skive inzwischen nach Berlin verschlagen. Das ständige Unterwegssein spiegelt sich auch in ihrem zweiten Album Enter Metropolis wider. „Die neuen Songs handeln von dem pulsierenden Leben in der Großstadt. Es geht einfach darum, die Jugend zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben“, erklärt Frontmann Mattias Kolstrup. Auch musikalisch setzen Dúné auf Veränderung. Dabei experimentieren die dänischen Newcomer stellenweise mit rauen Heavy Metal-Klängen. Ihre Mischung aus gefühlsbetontem Gesang, ungestümen Gitarren- und Keyboardmelodien klingt aber immer noch extrem tanzbar. (ag)

Eddy meets Yannah • Fiction Jar • Compost Records, 26.03.10

Eddy meets YannahDass Musik von jeher grenzenlos war, unterstreicht die neuste Veröffentlichung aus dem Hause Compost Records. Während das EU-Parlament Griechenland am Hacken hat und man über den Beitritt von Kroatien und der Türkei verhandelt, ist die Clubkultur des Balkans unlängst angekommen im Herzen eines geeinten Europas. Dabei geht es an dieser Stelle nicht um Balkanbeats und Gipsysounds. Eddy meets Yannah machen Musik, die einen vermeintlichen Retro-Charme von House Music der Spätneunziger vergessen lässt. Kein folkloristischer Konservenbrei der Marke „Dragostea Din Tei“ oder sonstiger Horrorszenarien des Eurovision Song Contests. Eddy produziert glasklare Perlen aus Neo-Jazz, Brokenbeat, House und Pop. Yannah singt dazu ungetrübte Textpassagen in englischer Sprache. Im Guten wie Mark De Clive-Lowe oder 4Hero; bisweilen ein wenig cheesy und arg glatt poliert. Zagreb hat längst seinen Platz in der europäischen Clubszene. Leider sind dabei Ecken und Kanten den Mühlen eines einheitlichen Sounds zum Opfer gefallen. (Falco Stienen)

Erik Sumo Band • The Trouble Soup • Le Pop Musik, 26.02.10

Unsere musikalische Reise durch unzählige Neuerscheinungen macht einen Stopp im selten besuchten Ungarn. Auf dem Cover von „The Trouble Soup“  prangt dick und breit ein Kochtopf und natürlich denkt man sofort an Gulasch. Doch denkste, das ist nämlich gar kein Kochtopf, sondern ein verflixt gut getarnter Hexenkessel voller bunter Popmusik. Ein Typ, der sich Erik Sumo nennt, original aber auf einen dieser ungarischen Zungenbrechernamen hört, rührt da drinnen ein teuflisches Zeug mit hohem Suchtfaktor zusammen. „Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen, Bass und Schlagzeug müssen krachen!“  Gut so! Und es kracht Song auf Song, quer durch den stilistischen Schubladenschrank, dafür aber spätestens beim 2. Durchlauf voller Hitpotential. Zwei Sängerinnen, ein Sänger – japanischer Folksong trifft Rockabilly-Sound. Afro-Blues und noch so einiges mehr. Besonders cool ist der schräge Klang einer alten DDR-Vermona-Orgel. „Disco In My Head“  und „Secon“ sind echte Ohrwürmer. Langeweile klingt anders. (Michael Baller)

Fagget Fairys • Feed The Horse • Music For Dreams, 21.08.09

Anschnallen bitte, die folgenden neun Tracks sind voller Dynamit und wahrscheinlich Skandinaviens aktuell spannendster Output aus den Tiefen Kopenhagens quicklebendiger Musikszene. Fagget Fairys, das sind Elena Carli Cosovic und Carla Cammilla Hjort, die eine ein rappendes und modelndes Teenagergirl mit bosnischen Wurzeln, die andere eine erfahrene DJane und Universalkünstlerin. Gemeinsam mischten sie mit ihrer Singleauskopplung Feed The Horse“ die dänischen Tanzböden dermaßen auf, um nun den gleichnamigen Langspieler nachzulegen. Darauf vermengen die beiden vom Baile-Funk über Balkanbeats bis hin zu orientalischen Momenten oder R‘n‘B-Einflüssen alles, was ihnen und uns die Füsse zucken lässt. Leichte Santogold oder M.I.A.-Assoziationen kommen auf, bilden aber keinen Makel sondern eher eine grobe Richtung, die Fagget Fairys einschlagen. Teils harte Beats, vom Grundgedanken her Elektro und doch immer genau die gewisse Briese Pop-Appeal, um als Song zu punkten. Hat das Zeug zum Genre übergreifenden Erfolg. (Michael Baller)

Fireworks Nights • As Fools We Are • Kartel/RTD, 06.06.08

Fireworks Night sind eine Londoner Folk-Formation, um deren Frontmann James Lesslie sich von Song zu Song ganz unterschiedliche Musikerbesetzungen scharen. Dabei tauchen in den Credits zum aktuellen Zweitwerk As Fools We Are allein neun Namen auf, welche für die gefühlten dreißig verwendeten Instrumente verantwortlich sind. Ukuele, Glockenspiel, Akkordeon, Percussions, Säge – nichts, was hier wirklich fehlen würde. Doch glücklicherweise werden die daraus abgeleiteten Befürchtungen nicht bestätigt, vielmehr überrascht As Fools We Are schon beim ersten Durchlauf durch seine reduzierte Schlichtheit, die vor allem die tiefmelancholische Stimme Lesslies in den Mittelpunkt stellt. Nur stellenweise bricht man aus, kommen Tango und Klezmer ins Spiel. Besonders die im Duett eingesungenen Stücke fallen auf und erinnern ungewollt, aber sehr angenehm an den noch immer empfehlenswerten Soundtrack zu Once. Kein Feuerwerk, eher eine Platte für die stillen, einsamen Momente der Nacht.(Michael Baller)