Da sind sie wieder, die hektischen Beats, die ausgeklügelten Synthies und Gitarrenriffs. Auf ihrem dritten Langspieler Quicken The Heart knüpfen Maximo Park an den intelligenten Postpunk (Joy Division, Gang of Four) der beiden furiosen Vorgängeralben an. Doch obwohl die britische Band um Frontmann Paul Smith erneut mit raffinierten Hooklines, mitreißenden Refrains und poetisch-romantischen Texten aufwartet, wirkt das neue Material etwas kraftlos. Zwar ist da dieser energetische Enthusiasmus, nach treibenden Tanznummern für die Indie-Disco sucht man allerdings vergebens. Scheint so, als würde das Quintett aus Newcastle langsam erwachsen. Zudem wird man das Gefühl nicht los, dass sich zunehmende Komplexität und Hitpotential antiproportional zueinander verhalten. So verfügt das in Los Angeles produzierte 37-Minuten-Werk über Qualitäten, die man erst im zweiten Durchlauf entdeckt. Alles in allem ist Maximo Park jedoch ein solides Album gelungen – kein Schritt nach vorne, aber auch keiner zurück. (André Gieße)
Maximo Park – Quicken the Heart | Warp/Rough Trade, 08.05.09
Maximo Park • Our Earthly Pleasures • Warp/Rough Trade, 30.03.07
Maximo Park ist wohl die bestgekleidete Combo in der Flut britischer Retro-Bands. Mit adrettem Nadelstreifenanzug und überkorrektem Seitenscheitel wirkt zumindest Sänger Paul Smith auf der Bühne wie ein Versicherungsvertreter auf Überdosis. Spätestens nach ihrem glamourösen Debütalbum wurden sie vorschnell als Kunstrock abgestempelt. Doch die Elektrorocker können mehr, als nur gut aussehen. Auf der zweiten Platte Our Earthly Pleasures fabrizieren Smith und Co. nun vielschichtigere und härtere Gitarrenmusik. Die intelligenten Texte handeln – wen wundert es – von den kleinen Alltagsfreuden: von Mädchen, Jungs und moderner Kunst. Markantes Merkmal ihrer Kunst sind weiterhin die mitreißenden Melodien. Statt auf einzelne Ohrwürmer, legte das Quintett
aus Newcastle diesmal aber mehr Wert auf eine ausgefeilte Gesamtkonzeption. Obwohl das Album dadurch erst beim zweiten Hören elektrisiert, dürften zehn bedingungslos tanzbare Songs nicht nur bei Indiedisko-Freunden zu nervösem Fußzucken führen. (André Gieße)
MGMT • Congratulations • Columbia/Sony Music, 09.04.10
„Wie Surfen auf Ecstasy.“ Mit diesem Bild beschreiben MGMT aus New York ihr zweites Album. Der Vergleich passt wie Arsch auf Eimer. Und zwar nicht nur wegen des knallbunten Comiccovers. Begeisterten die beiden Paradiesvögel Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser auf ihrem furiosen Debüt vor zwei Jahren noch mit einer postmodernen Hitmixtur aus Hippietum und New Wave, eröffnet sich dem Hörer nun ein komplexes Gesamtkunstwerk aus schrammeligen Gitarren und schrillen Keyboards. Auf seiner musikalischen Odyssee plündert das Duo die letzten fünf Dekaden; passiert überschwänglichen Surfpop, kentert in psychedelischem Folkrock und strandet schließlich bei trashigem Elektrosound. Auch wenn MGMT diesmal jegliche Art von Ironie über Bord geworfen haben wollen, wirken die Lyrics verschroben. Während der Opener „It’s Working“ den Klimawandel thematisiert, handelt das zwölfminütige „Siberian Breaks“ vom Wellenreiten im Nordpolarmeer vor Russland. Zu Nebenrollen darf man übrigens Lady Gaga und Brian Eno gratulieren. (André Gieße)
MGMT • Oracular Spectacular • Red Ink/Sony BMG, 02.05.08
Bevor die Kunststudenten Andrew Vanwygarden und Ben Goldwasser das unkonventionelle Projekt MGMT (ausgesprochen: Management) gründeten, experimentierten sie lange Zeit mit schrägen Computersounds. Ihr Debüt Oracular Spectacular überschreitet diese Grenze, konfrontieren traditionelle Rockinstrumenten mit tanzbare Beats und bildet eine faszinierende Melange aus Indie-Pop und Elektro-Trash. Musikalisch eng an die Flaming Lips gelagert, befördert MGMTs „Psychedelic-Weirdo-Pop“ mitunter Halluzinationen. Kreuz und quer wird sich durch die Musikhistorie zitiert. Nicht nur äußerlich trägt das stylische New Yorker Duo seine Vorliebe für Hippietum und New Wave zur Schau. Geschickt vereinen die Songs verwaschene Postrock-Gitarren mit nervösen Synthies und werden so zur kribbelbunten Genrekollage mit tausend schrillen Facetten: Kurz geschüttelt, mal eben auf den Kopf und wieder auf die Beine gestellt – fertig ist eine spektakuläre Noise-Pop-Platte zum Liebhaben, Kaufen und mit nach Hause nehmen. (André Gieße)
Midfield General • General Disarry • Skint (Alive), 23.05.08
Irgendwie gehört der Klischeesticker vom „Haus rocken“ so unvermeidbar zum Big Beat wie das Bio-Banner auf Discounter-Butter. Hat beides einen faden Beigeschmack. Doch wer sich anno 2008 offen zu Big Beat, diesem englischen Soundbastard aus Breakbeats, Techno und HipHop plus unzähligen anderen Zutaten, bekennt, verdient zumindest ein offenes Ohr. Nach dem Intro folgt sofort die Sirene und man wartet förmlich auf Szenemodel Keith Flint von The Prodigy, der uns den explosiven Firestarter gibt. Macht er aber nicht. Plötzlich öffnet sich in Bass Mechanic diese fiese Ohrwurmmelodie und es steht die Frage im Raum, woher man die nur kennt. Überhaupt offenbart General Disarry im zweiten oder dritten Durchlauf einige gut platzierte Genrezitate, was hier nicht als Nachteil zu sehen ist. Denn Damien Harris, der u.a. auch D.A.N.C.E von Justice produzierte, ist integer und authentisch. Bei dem ganzen puristischem Minimalwahn, der die Technoszene in den letzten Jahren prägte, macht eine volle Ladung Brighton-Strandrave-Beats sogar Lust auf(s) Meer. (Michael Baller)
