Seit Teilen was du weißt aus dem Jahr 2004 war es erstaunlich ruhig um den Liedermacher Jona Steinbach geworden. Jetzt, sechs Jahre später, erscheint sein drittes Album Alles negieren und irgendwie scheint es, als sei alles beim alten und Jona nie wirklich weg gewesen. Einzige Veränderung: Erstmals ziert auch sein Nachname das Plattencover. Musikalisch drehen sich die Songs immer noch um Jonas sanften Gesang. Begleitet wird dieser von Gitarrenklängen, ein paar Bläsern und vereinzelten elektronischen Spielereien. Der Deutschpop des Kölners klingt wie eine Mischung aus Tomte und Die Sterne, nur dass Jona mittlerweile seine Stimme wesentlich sauberer einsetzt als Tomte-Kopf Thees Uhlmann. Alles negieren ist eine schöne, leichte Singer-Songwriter-Platte, auf der Jona viele Geschichten aus dem Alltag erzählt. Zeilen wie „Mit Dir ist alles so viel besser als allein“ aus dem Schlusslied „Mario“ berühren. Und „Alles negieren“ eignet sich als kleiner, aber sehr feiner Begleiter für das Jahr 2010. (Sonja Berg)
Jona Steinbach • Alles negieren • Cobretti Rec., 19.03.10
John Robinson • I Am Not For Sale • Fat City Records, 20.07.08
Anfang der 90er waren Scienz of Life Teil einer einmaligen Conscious Rap-Bewegung rund um die Herren Mos Def, Talib Kweli, Common und unzähligen weiteren, begleitet von einem schier endlosen Output hochwertiger Veröffentlichungen. Sei es drum – Scienz of Life sind genauso Geschichte wie Rawkus Records. Und Rapper Lil Sci veröffentlicht in diesem Monat unter dem Namen John Robinson sein Solodebüt I Am Not For Sale auf dem britischen Fat City Label. Der Name ist Programm und so reicht Mr.Robinsons Verbundenheit zum Untergrund soweit, dass bis dato, trotz
stehenden Releasedates, noch kein wirkliches Coverbild des Albums vorzufinden ist. Auch musikalisch hält das Album den alten Werten die Treue und bewegt sich sichtlich gelassen auf den bewerten Wegen seelenvoller Samplearrangements, zischender Snares und eines wuchtigen Boom Box-Basses. Unterstützung gibt es vom einzig wahren Maskenmann MF Doom, mit dem zusammen auch bereits ein eigener Langspieler in Planung sein soll. Kein Meilenstein, aber eine willkommene Abwechslung für ordentlichen Druck auf den I-Pod. (Falco Stienen)
Jet • Shaka Rock • EMI, 21.08.09
Nachdem bei Jet zuletzt ziemlich die Luft raus war, legen die Garagenrocker auf ihrer neuen Platte wieder eine härtere Gangart ein und kehren zu ihren musikalischen Wurzeln zurück. Laut Bandauskunft handelt es sich bei Shaka Rock um die bis dato ehrlichste Platte der australischen Wirbelwinde. „Diesmal wurde das Album nicht von einem Produzenten oder von der Plattenfirma vorgeschrieben, sondern wir haben es uns selbst diktiert“, sagt Bassist Mark Wilson. Auf ihrem dritten Album erfinden seine Kollegen das Gitarrensolo zwar nicht neu, halten aber zumindest das Erbe von AC/DC und T-Rex aufrecht. Gekonnt zelebrieren die vier Jungs um Frontmann Nic Cester ruppigen Rock’n’Roll ohne Spirenzchen, setzen auf druckvolle Riff-Revivals, eingängige Refrains und Herzschmerz-Balladen. Zwar verwehren sich Jet lautstark dem affektierten Rockzirkus, dennoch fehlt die rebellische Unbekümmertheit des furiosen Erstlings Get Born – da hilft es auch nichts, einen brennenden Kleinbus das Cover zu packen. (André Gieße)
