I Am Kloot • I Am Kloot Play Moolah Rouge • Pias/Rough Trade 20.06.08

Ein brillantes Stück Popmusik haben I Am Kloot da erneut geschaffen. Auch nach drei Langspielern gelingt es der britischen Band um „Whiskeyvoice“ John Bramwell noch, eine intime Authentizität zu vermitteln, die Herz und Seele berührt. Obwohl I Am Kloot Play Moolah Rouge innerhalb nur weniger Tage im gleichnamigen Studio entstanden ist, atmet die Platte eine besondere Atmosphäre. „Wir haben die Aufnahmen als eine Art Live-Gig betrachtet; diese Dynamik hört man den Songs an“, bemerkt der Gitarrist und Sänger des Manchester-Trios, der das Endergebnis mit einer „maroden Fahrt durch ein rinnsteingesäumtes aber sternenklares urbanes Nachtpanorama“ vergleicht. Das Genie verbirgt sich bei I Am Kloot im Detail: Romantische, teils wehmütige Gitarrenmelodien, clevere Lyrics und Bramwells unwiderstehlicher Gesang machen dieses Album zu einem außergewöhnlichen Hörgenuss mit Gänsehautgarantie. Zehn Songs, mehr braucht es nicht, um selbst dem größten Skeptiker einen bittersüßen Schluchzer abzuringen. (André Gieße)

Irene • Apple Bay • Labrador, 20.11.06

Gab es das nicht schon einmal? Und ist das nicht…? Oder doch…? Den Sänger kenne ich doch… Ein Blick ins Booklet gibt jedoch Gewissheit: Irene ist ein lupenreiner Newcomer, eine neunköpfige Band schwedischer Herkunft – und der begnadete Bariton mit dem entspannten „Baby I love you“- Gestus ist nicht etwa Morissey, sondern der Singer und Songwriter Tobias Isaksson. Dieser singt von der Liebe und dem Strand. Und wenn an letzterem die Sonne goldgelb untergeht, dann trifft er sich mit seiner Band am Lagerfeuer und erfi ndet die Lieder von damals neu. Lieder von der Liebe und dem Sommer, der vergeht. Es sind einfache und tiefe Melodien von Freude und Trauer, dahin fließender Melancholie und Euphorie, ein Album also, dem es gelingt, in so ziemlich jeder Stimmungslage hörbar zu sein, ohne dabei in Oberflächlichkeit abzudriften: Ein swingender und tanzbarer 60ies Beat, begleitet von Trompeten- und Hammondorgel und bei fast jedem der elf Titel bestärkt sich die trügerische Überzeugung, ihn schon einmal gehört zu haben. Doch noch ehe man es sich recht überlegt, sind die Songs auch schon wieder in der Meeresbrandung verschwunden. Beach Boys, The Jam, dann ein wenig Velvet Underground und immer wieder Morrisey. Erschienen beim exquisiten schwedischen Edel-Indilabel Labrador, haben Irene den Sprung in die heimischen Albumcharts bereits vollzogen. Möge dies auch hierzulande geschehen. Qualität muss sich durchsetzen!

Incubus • Light Grenades • Smi Col (Sony BMG), 24.11.06

Endlich! Nach fast drei Jahren gibt es ein neues Album von Incubus! Und die Zeit, die sie sich dafür genommen haben war jede Sekunde wert! Light Grenades ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Wohlklang für die Ohren und mit Sicherheit werden die Videos zu den Singles wieder ein Augenschmaus sein. Das Album ist verspielter als seine Vorgänger. Anna Molly erinnert an Morning View: „Wish you were here, I‘m a wounded satellite“. Ein Satellit, der so schön im Orbit fl iegt, dass man an ihn nach jeder Umrundung wieder von vorne starten lassen möchte. Light Grenades ist erwachsen, voller technischer Spielereien und wunderschön dominiert von Brandon Boyds Stimme. Brendon O‘Brien, u.a. Produzent von Pearl Jam und Audioslave, hetzte die Band nicht, sondern ließ ihr bei der Produktion ungewöhnlich viel Zeit. Die Texte von Incubus zu interpretieren sei nach wie vor jedem selbst überlassen, denn wie bei jedem ihrer Alben hat man hierfür viel Spielraum! Incubus legen ihre eigene Messlatte sehr hoch und man kann auf den Nachfolger gespannt sein. Aber jetzt heißt es erstmal Light Grenades mental explodieren zu lassen und es zu genießen. (Sebastian Baller)