Als einer der namhaftesten Repräsentanten der Göteborger Schule haben die schwedischen Melodic-Death-Metaller von Dark Tranquillity in der Vergangenheit in schönem Zweijahresrhythmus ihre Studioalben veröffentlicht. Somit war das Erscheinen von We Are The Void keine so große Überraschung – der Inhalt aber schon. Mehr denn je zuvor öffnet sich das Sextett um Frontmann Mikael Stanne neuen, wenngleich nicht unbedingt exotischen Einflüssen aus dem Gothic-Rock sowie dem Thrash- und Black-Metal-Bereich, um sie dem gewohnt vielschichtigen Dark Tranquillity-Stil einzuverleiben. So erweisen sich die sechs munteren Schweden auf We Are The Void als gleichermaßen nachdenkliche wie experimentierfreudige, wenn auch mitunter reichlich wütend wirkende Musiker mit einem Gespür für geradliniges Songwriting und eingehende Melodien, so sie denn angebracht sind, ohne jedoch jemals in oberflächliche Weinerlichkeit zu verfallen. Dank der kompromisslosen Vocals und der strengen Gitarrenriffs sowie des gnadenlos vorantreibenden Schlagzeugs ein in jeder Hinsicht überzeugendes Album. (Klaus-Peter Kaschke)
Dark Tranquillity • We Are The Void • Century Media Records, 26.02.10
Darker My Love • 2 • Dangerbird/Pias, 07.08.09
Jeder Durchlauf der aktuellen Darker My Love-Platte 2 gleicht einem Déjàvu-Erlebnis. Nicht nur in musikalischer Hinsicht weckt das Quintett aus Los Angeles mancherlei Erinnerung, auch die Protagonisten selbst sind keine Unbekannten. Während Gitarrist Tim Presley und Bassist Rob Barbato zuletzt mit The Fall unterwegs waren, machte Schlagzeuger Andy Granelli
als Mitglied der kalifornischen Punkband The Distillers von sich reden. Auf ihrem zweiten Langspieler vermengen Darker My Love dröhnende Gitarrenwände mit melodischen Gesangsharmonien zu einem ebenso schwerfälligen wie geschmeidigen Space-Rock-Sound. Für 45 Minuten entführen lärmende Feedbacks, stampfende Beats und schwebende Chöre in die 90er-Jahre, in eine Epoche, als
Rave, Shoegaze und erste Vorboten des Britpop englische Clubs in süßlichen Dunst tauchten. In der Tradition von Jesus & Mary Chain, My Bloody Valentine und den frühen The Verve zerfließen psychedelische und kraftvolle Elemente der elf pulsierenden Songs zu einem warmen Rausch. (André Gieße)
Deadline • Take a good Look • People Like You, 03.11.06

Na das ist mal eine Deadline, die man mögen könnte. Eine, die einem nicht wie festgekettet tonnenschwer im Nacken sitzt und bis zur Erledigung keine ruhige Minute mehr zu gönnen gedenkt. Wobei, an ruhigen Minuten hat take a good look auch nicht allzu viele zu bieten. Zum Glück, schließlich machen die Londoner Punkrock und keinen Easy-Listening-Quatsch. Markenzeichen der Band ist dabei ohne Abstriche die Stimme von Frontfrau Elizabeth Jane Rose, kurz einfach Liz. Ihr Organ macht Deadline individuell und hebt die sonst in der Masse an Punkbands verschwindenden Engländer eben aus dieser heraus. Wie schon beim Vorgänger getting serious gibt es auch auf take a good look hochmelodische Punkrockkracher, denen es nicht an einer rotzigen Spur Härte fehlt und die trotzdem – und das soll jetzt nicht Nase rümpfend verstanden werden – auch eine ordentliche Prise Pop im Songwriting aufzuweisen haben. Keine Neuerfindung des Punk, macht aber verdammt viel Spaß. (mb)
Dennis Lisk • Suchen & Finden • Four Music/Sony BMG, 10.07.09

Denyo 77 gehörte zusammen mit Jan Delay zu einer der stilprägendsten deutschen HipHop-Bands – den Absoluten Beginnern. Unter seinem richtigen Namen Dennis Lisk geht Denyo jetzt eigene Wege fernab des HipHops. Wer auf Suchen & Finden Synthesizer und fette Reime sucht, wird enttäuscht. Dabei tauscht Dennis die Samples gegen Streicher und Gitarren. Das ganze Album erinnert sehr an die neuen, populären Wege von Kollege Clueso. Hitproduzent Moses Schneider, der sonst mit Bands wie Tocotronic oder den Beatsteaks arbeitet, war hier mit am Werk. Die gesamte Instrumentalisierung und auch die Texte wirken sehr erwachsen, persönlich und reflektiert, aber nicht so spielerisch leicht wie aus der Feder eines Thomas Hübners. Irgendwann sticht textlich besonders hervor, Lass los, die erste Single, ist ein kleiner Ohrwurm. Ob es Dennis Lisk schafft, mit seinen neuen Kompositionen ebenso erfolgreich zu werden wie sein Buddy Jan Delay bleibt allerdings abzuwarten. (sjb)
Domu •One offs, Remixes & B Sides • Tru Thoughts/Groove Attack, 29.06.09

Unexpect the expected! Frei nach Vater: Willst du die Leute überraschen dann Spiel die B-Seite – ein guter Ratschlag, für fast keine Lebenslage. Ähnliches wird wohl auch Robert Luis, seines Zeichens CEO beim benannten Label, von seinem Erzeuger zu hören bekommen haben. Anders ist das durchaus hinterfragbare Konzept einer eigenen Samplerreihe im Zeichen unveröffentlichter Titel, Remixe, B-Seiten und Festplattenleichen eines einzelnen Künstlers nicht zu beantworten. Eine missliche Note kommerzieller Zweitverwertung lässt sich nicht von der Hand weisen. Und tatsächlich möchte sich beim Hören von Domus Retrospektive der vergangenen 10 Jahre keine wirkliche Überraschung breit machen. Zu kalkuliert, altbacken und vermeintlich zu Recht auf Rückseiten versteckt, klingen die einzelnen Titel aus den Untiefen des housigen Broken Beat. Dass die eine oder andere Auster am Ende doch noch ihre Perle zeigt, sei an dieser Stelle trotzdem nicht ausgeschlossen. Denn wie man letztendlich weiß – Papa knows best! (fs)
