Nach dem rüden Instrumentalwerk „The Effects Of 333“ macht der Black Rebel Motorcycle Club auf seinem fünften Studioalbum wieder mit bluesinfizierten Rocksongs von sich reden. Der Titel „Beat The Devil’s Tattoo“ ist einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe entlehnt und spielt Bandaussagen zufolge auf Nerventicks wie nervösem Fingertrommeln an. Mit dem neuen Material schlagen die Schwarzledernen aus San Francisco Brücken zwischen den verschiedenen Schaffensphasen ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte. Trotz einer personellen Frischzellenkur – Leah Shapiro hat Nick Jago hinter dem Schlagzeug ersetzt – verzichtet der Dreier diesmal auf jegliche Experimente. Zum stampfenden Beat der Ex-Raveonettes-Drummerin und dem rauchigen Gesang von Peter Hayes und Robert Levon Been durchsieben heulende Stromgitarren trübe Klangschwaden. Neben psychedelisch pulsierenden Brennstäben servieren B.R.M.C. aber auch feinfühligen Americana, weshalb Akustikklampfe und Mundharmonika nicht fehlen dürfen. (André Gieße)
B.R.M.C • Beat The Devil’s Tattoo • Cooperative/Universal, 12.03.10
Blood Red Shoes • Fire Like This • Cooperative Music
Die Blood Red Shoes haben sich auf der letzten Tour wohl etwas viele DVD’s reingezogen. So lässt sich jedenfalls erklären, dass der Titel ihres zweiten Silberlings auf David Lnychs unheimliches TV-Seriendrama Twin Peaks anspielt. Auch musikalisch ließ sich das stürmische Duo aus dem britischen Brighton von der düsteren Stimmung des 90er-Jahre-Klassikers anstecken. Ihre neuen Songs sind langsamer und wirken dadurch noch härter. Analog in Liverpool aufgenommen und auf ein Minimum an Studiotechnik reduziert, erinnern sie an die Blütezeit des amerikanischen Grunge. „Wir wollten eine Platte wie In Utero von Nirvana aufzunehmen – ein echtes Rockalbum mit Herz, kein Machodreck“, erläutert Steven Ansell. Diese Ambitionen unterstreichen der Dummer und Gitarristin Laura-Mary Carter auch diesmal durch wuchtiges Geknüppel, wütende Gitarrenriffs und betont rotzigen Gesang. Kam das Vorgängeralbum noch mit abgeschliffenen Ecken daher, gibt sich Fire Like This als kantigeres Werk mit unbequemen Melodien. (André Gieße)
Broken Bells • Broken Bells • Sony BMG, 05.03.10
Mit Brian Burton alias Danger Mouse und The Shins-Sänger James Mercer haben zwei Koryphäen der US-Indie-Szene zusammen ins Studio gefunden. Herausgekommen sind 20 Songs, von denen es zehn auf das Debütalbum Broken Bells geschafft haben. Mit Ausnahme der Streicher hat das Duo alle Instrumente selbst eingespielt. Von Mercer stammen die Gesangs-, Gitarren- und Bass-Parts, Burton ist an Orgel, Schlagzeug, Klavier, Synths und Bass zu hören. Der Mischpultmagier, bekannt als die eine Hälfte von Gnarls Barkley oder Gorillaz-Produzent, bezeichnet das Soundgemisch aus sphärischem Pop und groovigem Soul als „melodisch, aber experimentell“. Genres interessieren ihn nicht: Die Single „The High Road“ ist eine düstere Folkballade, das überirdische „Your Head Is On Fire“ könnte auch von den Beach Boys stammen und „Vaporise“ erinnert mit Bläser- und Orgelklängen an einen von Morricone komponierten Italo-Western-Klassiker. Die grandiose Platte der Broken Bells soll zum Glück kein One-Off-Projekt bleiben. (André Gieße)
Brendan Benson • My Old, Familiar… • Cooperative Music, 04.04.09
Nach zwei erfolgreichen Scheiben mit den Raconteurs wagt Brendan Benson mit My Old, Familiar Friend seit vier Jahren erstmals wieder den Schritt aus dem Schatten von Jack White und demonstriert uns seine Qualitäten als Songwriter. Während der White Stripes-Chef mit The Dead Weather schon die nächste Supergroup am Start hat, bastelt Benson weiter an seiner Solokarriere. Aufgenommen in Nashville und London ist sein viertes Studioalbum ein Spagat zwischen Leidenschaft und Perfektionismus. Das neue Material verdeutlicht Bensons Facettenreichtum – der Multiinstrumentalist aus Michigan beherrscht Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards – und klingt unbekümmerter als der bluesgetränkte Südstaaten-Rock der Raconteurs. Neben Gitarrenriffs kommen hier auch Piano und Streicher zum Einsatz. Gekonnt kleidet Benson seine Herzschmerz-Stories in ausgeklügelte Melodien und eingängige Refrains. Häufige Wechsel zwischen sonnigem Powerpop und gefühlvollen Balladen machen die Platte zum Dauerläufer im CD-Spieler. (André Gieße)
Blackmore’s Night • Secret Voyage • Steamhammer (SPV), 30.06.08
Es ist schon ein ruppiges Schlachtfeld voller Stacheldraht und Tretminen, auf das man sich begibt, wenn man sich mit harten Blackmore’s Night-Fans anlegt. So weichgespült die Ergüsse des 63-jährigen Ex-„Deep Purple“-Gitarristen Richie Blackmore und seiner 26 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Candice Night auch sein mögen, so pazifistisch der mittelalterlich verbrämte Singsang auch daherkommt – wenn es um Kritik am süßholzraspelnden Schmachtstimmchen der Amerikanerin geht, schrecken sie nicht einmal vor Morddrohungen zurück, wie nach dem Konzert vor zwei Jahren auf der Creuzburg. Meine Meinung ändere ich deshalb trotzdem nicht: „Blackmore’s Night“ sind nicht nur Schmach und Schande für den einstmals besten Gitarristen der Welt, der hier ins zweite Glied verfrachtet wird, sondern so aufregend wie eingeschlafene Füße…eine Mischung aus Yvonne Catterfeld und „Kelly Family“, die von beiden Seiten die schlechtere Hälfte erwischt hat. Absolut gruseliger Stoff, der zu Tränen rührt – vor Verzweiflung! (Klaus Peter Kaschke)
