Sixes And Sevens heißt das fünfte Soloalbum des amerikanischen Songwriters Adam Green. Zuletzt debütierte er noch als Verfasser eines skurrilen Gedichtbandes, mit dem der introvertierte Hobbyliterat vor allem in Deutschland Erfolge feierte. Inzwischen wohnt der 27-Jährige sogar in Berlin. Mit seiner neuen Platte beweist der Crooner erneut, dass seine Stärken im Geschichtenerzählen liegen. Sage und schreibe 20 Titel enthält das Kunstwerk – da darf man getrost von einem Langspieler sprechen. Doch diesmal klingt alles überraschend anders: etwas weniger Dylan, dafür ein guter Schuss Motownsoul, viele Bläser, Gospelchöre und Perkussionen. Eben möchte man Sirtaki tanzen, im nächsten Moment wähnt man sich im Bacardi-Feeling. Sixes And Sevens ist ein bunter Hund – sein Herzstück sind die intelligenten Lyrics: ständig flackern Witz und Kreativität auf. Was anfangs irritiert, findet schnell Gefallen. Am Ende schafft es der verträumte Entertainer doch wieder, uns charmant um den kleinen Finger zu wickeln. (André Gieße)
Adam Green • Sixes And Sevens • Rough Trade, 07.03.08
Amoral • Reptile Ride • Spikefarm Records, 21.09.07
Amoral haben sich auf Reptile Ride nochmals deutlich weiterentwickelt. Standen sich die progressiven Death Metaller vormals mit ihren technisch hochklassigen Fähigkeiten häufi ger selbst im Weg, haben sie den Kniff auf Reptile Ride nun endlich raus, trotz des extrem hohen technischen Anspruchs, der vor genialer Spielkultur zum einen und vor bahnbrechender Brutalität zum anderen strotzt, komplexes Songwriting mit nachvollziehbareren Songstrukturen zu vereinen, die vor allem durch die noch immer leicht an Children of Bodom angelehnten Melodiestrukturen zu überzeugen und zu begeistern wissen. Die Gitarrenmelodien, zum Teil doppelläufig von den Gitarristen verbraten, sind der größte Pluspunkt auf dem Album, das außerdem noch mit einem satten Drumsound, einem gut genährten Bass und einer eher thrashigeren Soundnote zu überzeugen weiß. Amoral haben ihre Linie gefunden, sich vor allem auf ihre melodischen Stärken besinnt, die irgendwo im traditionellen Metal Muttermilch saugten, und ein grenzenüberschreitendes Werk abgeliefert, das trotz aller Musikalität eine gesunde und zum Teil brutal nach vorne schiebende Härte nicht vermissen lässt. Endlich ein wirklich gelungenes Album der Finnen, auch wenn das Cover wirklich billig aussieht. (Dirk Wettlaufer)
B.R.M.C • Beat The Devil’s Tattoo • Cooperative/Universal, 12.03.10
Nach dem rüden Instrumentalwerk „The Effects Of 333“ macht der Black Rebel Motorcycle Club auf seinem fünften Studioalbum wieder mit bluesinfizierten Rocksongs von sich reden. Der Titel „Beat The Devil’s Tattoo“ ist einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe entlehnt und spielt Bandaussagen zufolge auf Nerventicks wie nervösem Fingertrommeln an. Mit dem neuen Material schlagen die Schwarzledernen aus San Francisco Brücken zwischen den verschiedenen Schaffensphasen ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte. Trotz einer personellen Frischzellenkur – Leah Shapiro hat Nick Jago hinter dem Schlagzeug ersetzt – verzichtet der Dreier diesmal auf jegliche Experimente. Zum stampfenden Beat der Ex-Raveonettes-Drummerin und dem rauchigen Gesang von Peter Hayes und Robert Levon Been durchsieben heulende Stromgitarren trübe Klangschwaden. Neben psychedelisch pulsierenden Brennstäben servieren B.R.M.C. aber auch feinfühligen Americana, weshalb Akustikklampfe und Mundharmonika nicht fehlen dürfen. (André Gieße)
Blackmore’s Night • Secret Voyage • Steamhammer (SPV), 30.06.08
Es ist schon ein ruppiges Schlachtfeld voller Stacheldraht und Tretminen, auf das man sich begibt, wenn man sich mit harten Blackmore’s Night-Fans anlegt. So weichgespült die Ergüsse des 63-jährigen Ex-„Deep Purple“-Gitarristen Richie Blackmore und seiner 26 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Candice Night auch sein mögen, so pazifistisch der mittelalterlich verbrämte Singsang auch daherkommt – wenn es um Kritik am süßholzraspelnden Schmachtstimmchen der Amerikanerin geht, schrecken sie nicht einmal vor Morddrohungen zurück, wie nach dem Konzert vor zwei Jahren auf der Creuzburg. Meine Meinung ändere ich deshalb trotzdem nicht: „Blackmore’s Night“ sind nicht nur Schmach und Schande für den einstmals besten Gitarristen der Welt, der hier ins zweite Glied verfrachtet wird, sondern so aufregend wie eingeschlafene Füße…eine Mischung aus Yvonne Catterfeld und „Kelly Family“, die von beiden Seiten die schlechtere Hälfte erwischt hat. Absolut gruseliger Stoff, der zu Tränen rührt – vor Verzweiflung! (Klaus Peter Kaschke)
Blood Red Shoes • Fire Like This • Cooperative Music
Die Blood Red Shoes haben sich auf der letzten Tour wohl etwas viele DVD’s reingezogen. So lässt sich jedenfalls erklären, dass der Titel ihres zweiten Silberlings auf David Lnychs unheimliches TV-Seriendrama Twin Peaks anspielt. Auch musikalisch ließ sich das stürmische Duo aus dem britischen Brighton von der düsteren Stimmung des 90er-Jahre-Klassikers anstecken. Ihre neuen Songs sind langsamer und wirken dadurch noch härter. Analog in Liverpool aufgenommen und auf ein Minimum an Studiotechnik reduziert, erinnern sie an die Blütezeit des amerikanischen Grunge. „Wir wollten eine Platte wie In Utero von Nirvana aufzunehmen – ein echtes Rockalbum mit Herz, kein Machodreck“, erläutert Steven Ansell. Diese Ambitionen unterstreichen der Dummer und Gitarristin Laura-Mary Carter auch diesmal durch wuchtiges Geknüppel, wütende Gitarrenriffs und betont rotzigen Gesang. Kam das Vorgängeralbum noch mit abgeschliffenen Ecken daher, gibt sich Fire Like This als kantigeres Werk mit unbequemen Melodien. (André Gieße)



