Jedem Juristen und Historiker ist der C. H. Beck-Verlag ein Begriff. Unter Literaturfreunden ist er kaum bekannt, was weniger an seiner Qualität als an der geringen Anzahl seiner publizierten Titel liegen dürfte. Eine der aktuellen Neuerscheinungen ist Die Leinwand von Benjamin Stein. Der zweite Roman des gebürtigen Berliners hebt sich bereits dadurch ab, dass er zwei Vorderseiten hat, hinter denen sich jeweils eine 200-seitige Geschichte verbirgt, die in der Mitte des Buches aufhört.
Benjamin Stein • Die Leinwand • C.H. Beck, 2010
Berlin ’36

X Verleih
In den Augen der Nazis darf Gretel aber auf keinen Fall gewinnen: Der Reichssportführer schickt gegen Gretel die bis dahin unbekannte „Konkurrentin“ Marie Ketteler (Sebastian Urzendowsky) ins Rennen um die Olympia-Qualifikation – sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden gemeinsam gegen die Intrige der Nationalsozialisten ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt…
Blackmore’s Night • Secret Voyage • Steamhammer (SPV), 30.06.08
Es ist schon ein ruppiges Schlachtfeld voller Stacheldraht und Tretminen, auf das man sich begibt, wenn man sich mit harten Blackmore’s Night-Fans anlegt. So weichgespült die Ergüsse des 63-jährigen Ex-„Deep Purple“-Gitarristen Richie Blackmore und seiner 26 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Candice Night auch sein mögen, so pazifistisch der mittelalterlich verbrämte Singsang auch daherkommt – wenn es um Kritik am süßholzraspelnden Schmachtstimmchen der Amerikanerin geht, schrecken sie nicht einmal vor Morddrohungen zurück, wie nach dem Konzert vor zwei Jahren auf der Creuzburg. Meine Meinung ändere ich deshalb trotzdem nicht: „Blackmore’s Night“ sind nicht nur Schmach und Schande für den einstmals besten Gitarristen der Welt, der hier ins zweite Glied verfrachtet wird, sondern so aufregend wie eingeschlafene Füße…eine Mischung aus Yvonne Catterfeld und „Kelly Family“, die von beiden Seiten die schlechtere Hälfte erwischt hat. Absolut gruseliger Stoff, der zu Tränen rührt – vor Verzweiflung! (Klaus Peter Kaschke)
Blood Red Shoes • Fire Like This • Cooperative Music
Die Blood Red Shoes haben sich auf der letzten Tour wohl etwas viele DVD’s reingezogen. So lässt sich jedenfalls erklären, dass der Titel ihres zweiten Silberlings auf David Lnychs unheimliches TV-Seriendrama Twin Peaks anspielt. Auch musikalisch ließ sich das stürmische Duo aus dem britischen Brighton von der düsteren Stimmung des 90er-Jahre-Klassikers anstecken. Ihre neuen Songs sind langsamer und wirken dadurch noch härter. Analog in Liverpool aufgenommen und auf ein Minimum an Studiotechnik reduziert, erinnern sie an die Blütezeit des amerikanischen Grunge. „Wir wollten eine Platte wie In Utero von Nirvana aufzunehmen – ein echtes Rockalbum mit Herz, kein Machodreck“, erläutert Steven Ansell. Diese Ambitionen unterstreichen der Dummer und Gitarristin Laura-Mary Carter auch diesmal durch wuchtiges Geknüppel, wütende Gitarrenriffs und betont rotzigen Gesang. Kam das Vorgängeralbum noch mit abgeschliffenen Ecken daher, gibt sich Fire Like This als kantigeres Werk mit unbequemen Melodien. (André Gieße)
Boxhagener Platz
Was geschah eigentlich 1968 in der DDR? Boxhagener Platz, der erste Kinospielfilm des Fernsehregisseurs Matti Geschonnek, geht dieser Frage nach. Er versucht in prägnanten Bildern und sensibler Erzählweise einzufangen, was in Ostberlin geschah, während im Westen die Studenten revoltierten. Soviel ist schnell klar: Auch in Ostdeutschland waren die späten Sechziger eine wilde Zeit.
