Inglourious Basterds, 08-09

© Universal

Im Zentrum von Inglourious Basterds steht eine US-Eliteeinheit, die im Zweiten Weltkrieg im besetzten Frankreich in Kopfgeldjäger-Manier Nazis jagt, und pro Mann „100 Naziskalps“ erbeuten soll. Dann wird sie beauftragt, ein Attentat auf Adolf Hitler zu verüben…Tarantinos Kino war schon immer Fetischkino, das dem Formalen unbedingt den Vorzug vor der Handlung gab, das dabei aber weder anti-erzählerisch noch unmenschlich wirkte. Und es war ein Kino der lustvollen Überschreitung des Erlaubten – und das heißt im Historiendrama auch: der historischen Wirklichkeit. Nie verfällt er der Ästhetik der Nazis. Sein Frankreich ähnelt einer Westernlandschaft, und sein Paris sieht aus, wie das Warschau in Lubitschs „To Be Or Not To Be“. Spärlich ist der Umgang mit Hakenkreuzbinden und NS-Symbolik, es gibt kaum Stiefelschlagen und Uniform.

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Irene • Apple Bay • Labrador, 20.11.06

Gab es das nicht schon einmal? Und ist das nicht…? Oder doch…? Den Sänger kenne ich doch… Ein Blick ins Booklet gibt jedoch Gewissheit: Irene ist ein lupenreiner Newcomer, eine neunköpfige Band schwedischer Herkunft – und der begnadete Bariton mit dem entspannten „Baby I love you“- Gestus ist nicht etwa Morissey, sondern der Singer und Songwriter Tobias Isaksson. Dieser singt von der Liebe und dem Strand. Und wenn an letzterem die Sonne goldgelb untergeht, dann trifft er sich mit seiner Band am Lagerfeuer und erfi ndet die Lieder von damals neu. Lieder von der Liebe und dem Sommer, der vergeht. Es sind einfache und tiefe Melodien von Freude und Trauer, dahin fließender Melancholie und Euphorie, ein Album also, dem es gelingt, in so ziemlich jeder Stimmungslage hörbar zu sein, ohne dabei in Oberflächlichkeit abzudriften: Ein swingender und tanzbarer 60ies Beat, begleitet von Trompeten- und Hammondorgel und bei fast jedem der elf Titel bestärkt sich die trügerische Überzeugung, ihn schon einmal gehört zu haben. Doch noch ehe man es sich recht überlegt, sind die Songs auch schon wieder in der Meeresbrandung verschwunden. Beach Boys, The Jam, dann ein wenig Velvet Underground und immer wieder Morrisey. Erschienen beim exquisiten schwedischen Edel-Indilabel Labrador, haben Irene den Sprung in die heimischen Albumcharts bereits vollzogen. Möge dies auch hierzulande geschehen. Qualität muss sich durchsetzen!

Jet • Shaka Rock • EMI, 21.08.09

Nachdem bei Jet zuletzt ziemlich die Luft raus war, legen die Garagenrocker auf ihrer neuen Platte wieder eine härtere Gangart ein und kehren zu ihren musikalischen Wurzeln zurück. Laut Bandauskunft handelt es sich bei Shaka Rock um die bis dato ehrlichste Platte der australischen Wirbelwinde. „Diesmal wurde das Album nicht von einem Produzenten oder von der Plattenfirma vorgeschrieben, sondern wir haben es uns selbst diktiert“, sagt Bassist Mark Wilson. Auf ihrem dritten Album erfinden seine Kollegen das Gitarrensolo zwar nicht neu, halten aber zumindest das Erbe von AC/DC und T-Rex aufrecht. Gekonnt zelebrieren die vier Jungs um Frontmann Nic Cester ruppigen Rock’n’Roll ohne Spirenzchen, setzen auf druckvolle Riff-Revivals, eingängige Refrains und Herzschmerz-Balladen. Zwar verwehren sich Jet lautstark dem affektierten Rockzirkus, dennoch fehlt die rebellische Unbekümmertheit des furiosen Erstlings Get Born – da hilft es auch nichts, einen brennenden Kleinbus das Cover zu packen. (André Gieße)

John Rector • Frost • Rororo, 2010

Nate und Sara, ein junges Pärchen, nehmen auf der Autofahrt vom kalten Minnesota ins warme Nevada einen ominösen Herren namens Syl mit. Unterwegs geraten sie in einen schweren Schneesturm und können sich gerade noch in ein Motel retten. Dort angekommen spüren sie bei Syl keinen Puls mehr, halten ihn für tot und lassen ihn deshalb im Auto. Als sie in seinen Sachen viel Geld finden, beschließen sie, Syl verschwinden zu lassen. Nate trägt Syl in einen nahe gelegenen Graben und bemerkt leider erst zu spät, dass der Mann mehr Lebensgeister als angenommen besitzt. Der anfangs so verlockende Geldsegen wird daraufhin immer mehr zum Fluch, weil auch die anderen Motelbewohner ein Interesse an dem Pärchen entwickeln. Mit einer einfachen Sprache und einer linearen Handlung, die sich bruchlos und unmittelbar von einem Handicap zum nächsten hangelt, versteht es Rector, Spannung zu erzeugen. Diese steigert sich vom vermeintlich harmlosen Beginn zu einem furiosen Finale. (Gernod Siering)

John Robinson • I Am Not For Sale • Fat City Records, 20.07.08

Anfang der 90er waren Scienz of Life Teil einer einmaligen Conscious Rap-Bewegung rund um die Herren Mos Def, Talib Kweli, Common und unzähligen weiteren, begleitet von einem schier endlosen Output hochwertiger Veröffentlichungen. Sei es drum – Scienz of Life sind genauso Geschichte wie Rawkus Records. Und Rapper Lil Sci veröffentlicht in diesem Monat unter dem Namen John Robinson sein Solodebüt I Am Not For Sale auf dem britischen Fat City Label. Der Name ist Programm und so reicht Mr.Robinsons Verbundenheit zum Untergrund soweit, dass bis dato, trotz
stehenden Releasedates, noch kein wirkliches Coverbild des Albums vorzufinden ist. Auch musikalisch hält das Album den alten Werten die Treue und bewegt sich sichtlich gelassen auf den bewerten Wegen seelenvoller Samplearrangements, zischender Snares und eines wuchtigen Boom Box-Basses. Unterstützung gibt es vom einzig wahren Maskenmann MF Doom, mit dem zusammen auch bereits ein eigener Langspieler in Planung sein soll. Kein Meilenstein, aber eine willkommene Abwechslung für ordentlichen Druck auf den I-Pod. (Falco Stienen)