Von magischen Momenten und einem Stück Fernseh- und Musikgeschichte erzählt der neue Bildband Rockpalast, herausgegeben von niemand geringerem als Peter Rüchel himself. Er war es, der 1976 die Sendung Rockpalast für den WDR startete und damit neue Musik der breiten Masse zugängig machte. Während man heute das typische Musikfernsehen wegen Klingeltonwerbung nur schwer ertragen kann, war es in den 70ern eine kleine Revolution, die wilden Rocker live über den Äther zu schicken. Aus einer 30-minütigen Sendung entstand bald die Idee, ganze Konzerte live zu übertragen.
Peter Rüchel • Rockpalast • Edel/Rockbuch, 2009
Peter Sloterdijk • Du mußt dein Leben ändern • Suhrkamp Verlag, 2009
Sein Leben zu ändern, das verhindert schon die Macht der Gewohnheit. Und Peter Sloterdijks neues Buch, ein monumentaler, aber eingängiger Essay, der seine zentrale These schon im Titel führt, ist ein einziges Plädoyer dafür, es sich etwas schwerer zu machen. „Du musst Dein Leben ändern“, das ist die Schlusszeile von Rilkes berühmtem Gedicht „Archaischer Torso Apollos“. Sie ist, wie Sloterdijks Werk ein direkter Bezug auf die Antike, und doch darin deren Vergegenwärtigung. Was Sloterdijk hier tut? Er leistet eine Epochen-Diagnose. Die Gegenwart sieht er in der Spannung zwischen antiken Lebensformen, die im Namen von „Übung und Perfektion“ mobil machen, und der Moderne, die unter dem Vorzeichen von „Arbeit und Produktion“ steht. In ersteren ist der Weg das Ziel.
Robert Åsbacka • Das zerbrechliche Leben • Hanser Verlag, 2010
In dem Roman Das zerbrechliche Leben begegnet uns das Leben als eine Konstruktion aus Erinnerungen, aus Fragen und vor allem aus den Begegnungen mit anderen Menschen. Fragil ist diese Konstruktion, zerbrechlich. Aber auch dehnbar und deshalb facettenreich, unerschöpflich. Diese Erfahrung macht auch Johannes Thomasson, ein Mann, der fast am Ende seines Lebens steht. Seit seine Ehefrau Siri bei einem Schiffsunglück vor zwölf Jahren gestorben ist, hat er sich eingeigelt, ist zum Eigenbrötler geworden.
Sarah Kuttner • Mängelexemplar • Fischer Verlag, 2009
Mein Blick blieb am Cover hängen. Genauso soll es ja auch funktionieren, das Konzept der Kulturindustrie: Die Umwandlung des immer Gleichen. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Ein Umschlag in Knitteroptik, weiß, vielleicht hellgrau, unten links eine aufgedruckte Sicherheitsnadel, die versuchen soll, das Mängelexemplar zu kitten. Hat leider nicht funktioniert. Das Äußere erinnert an ein vor einiger Zeit erschienenes rosa Büchlein, mit Heftpflaster auf dem Umschlag. Darin ging es gar nicht mädchenhaft rosa zu, und so manchem lieferte es zu viele Innenansichten. Innensicht gibt es auch beim weißen Buch mit der Sicherheitsnadel, jedoch eher die psychische, statt physische der Protagonistin: Karo hat eine Depression. Das erfährt man schnell. Gleich auf der ersten Seite sitzt sie nämlich im Sprechzimmer vom „Popstarpsychiater“.
Stefan Wimmer • Der König von Mexiko • Eichborn Verlag, 2008
Amüsant, geistreich und gehaltvoll – diese eher seltene Kombination gelingt Stefan Wimmer in seinem Roman „Der König von Mexiko“. Zur Handlung: Ingo W. Falkenhorst ist Germanist und Promotionsstipendiat an der Universität von Mexiko-Stadt. Seine Lieblingsorte sind nun allerdings nicht die Bibliothek oder der Hörsaal, sondern das Centenario, eine Kneipe voll von zwielichtigen Gestalten, die bereits zur Mittagszeit ihren hochprozentigen Leidenschaften nachgehen. Fühlt er sich dort am wohlsten, so bringt ihn die ausgeprägte Neigung zu Frauen bald mit der schnippischen Tenderly zusammen. Mit ihr beginnt sein Aufstieg in die öde High Society der mittelamerikanischen Metropole.
