Heutzutage scheint eine Veröffentlichungspflicht für prominente Schauspieler zu bestehen. Manfred Krug, Iris Berben, Winfried Glatzeder, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Nun legt die aus „Lola rennt“ bekannte Schauspielerin Franka Potente mit ihr literarisches Debüt vor. Dabei handelt es sich nicht um ihre Erfolgsgeschichte oder einen Blick hinter die Kulissen der Filmwelt, sondern um zehn eigenständige Erzählungen, die alle in Japan spielen. Gewöhnliche Menschen in besonderen Situationen stehen im Mittelpunkt. Potente, die seit 2005 regelmäßig nach Japan reist, erweist sich als einfühlsame Kennerin fernöstlicher Kultur. Ihr gelingt es, in jeder der zehn Erzählungen einen Einblick in eine für Mitteleuropäer zum Teil fremde Welt zu geben. Auf wenn „Zehn“ literarisch sicher nicht der ganz große Wurf ist, so beinhaltet es doch lesenswerte Miniaturen. Das Buch ist mit durchsichtigem Umschlag und Zweifarbdruck auf hochwertigem Papier liebevoll gestaltet und lädt zum Kaufen ein. (Gernod Siering)
Peter Rüchel • Rockpalast • Edel/Rockbuch, 2009
Von magischen Momenten und einem Stück Fernseh- und Musikgeschichte erzählt der neue Bildband Rockpalast, herausgegeben von niemand geringerem als Peter Rüchel himself. Er war es, der 1976 die Sendung Rockpalast für den WDR startete und damit neue Musik der breiten Masse zugängig machte. Während man heute das typische Musikfernsehen wegen Klingeltonwerbung nur schwer ertragen kann, war es in den 70ern eine kleine Revolution, die wilden Rocker live über den Äther zu schicken. Aus einer 30-minütigen Sendung entstand bald die Idee, ganze Konzerte live zu übertragen.
Edo Popovic • Kalda • Voland & Quist, 2008
In der Nacht, nachdem er seinen Vater wieder gesehen hat, kniet Kalda vor der Kloschüssel und steckt sich den Finger in den Hals. Er will alles loswerden, ins Klo kotzen: Die ganze kaputte Vergangenheit, den Krieg, die Eltern – all die Dinge, die er bisher verdrängt hat und dank denen er sich fühlt „wie jemand, dem man die Haut abgezogen hat“. Verdammt drastisch blickt Kalda in Edo Popovics gleichnamigem Roman auf sein Leben. Ende der 60er Jahre in einem Arbeiterviertel Zagrebs geboren, hat Kalda früh gelernt sich nicht auf seine Eltern zu verlassen.
Peter Sloterdijk • Du mußt dein Leben ändern • Suhrkamp Verlag, 2009
Sein Leben zu ändern, das verhindert schon die Macht der Gewohnheit. Und Peter Sloterdijks neues Buch, ein monumentaler, aber eingängiger Essay, der seine zentrale These schon im Titel führt, ist ein einziges Plädoyer dafür, es sich etwas schwerer zu machen. „Du musst Dein Leben ändern“, das ist die Schlusszeile von Rilkes berühmtem Gedicht „Archaischer Torso Apollos“. Sie ist, wie Sloterdijks Werk ein direkter Bezug auf die Antike, und doch darin deren Vergegenwärtigung. Was Sloterdijk hier tut? Er leistet eine Epochen-Diagnose. Die Gegenwart sieht er in der Spannung zwischen antiken Lebensformen, die im Namen von „Übung und Perfektion“ mobil machen, und der Moderne, die unter dem Vorzeichen von „Arbeit und Produktion“ steht. In ersteren ist der Weg das Ziel.
