Kat von D • The Tattoo Chronicles • Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2010

Kat von D - The Tattoo ChroniclesIhre Kunst geht unter die Haut: Wenn Katherine von Drachenberg die Nadel zückt, legen sich selbst Rockgrößen wie Caleb Followill (Kings of Leon), Lemmy Kilmister (Motörhead) und Kirk Hammett (Metallica) bereitwillig unter ihre Hände. Die 28-jährige Amerikanerin, besser bekannt unter dem klingenden Namen Kat von D, ist die gefragteste Tätowiererin der Welt. Im Alter von 14 Jahren stach sie ihr erstes Motiv, brach die Schule ab und begann die männerdominierte Welt der Tattoo-Studios zu erobern.
Seitdem legt die gebürtige Mexikanerin die Tätowiermaschine kaum mehr aus der Hand. Nachdem sie in den TV-Doku-Serien „Miami Ink“ und „L.A. Ink“ ihr Können vor der Kamera zeigte, avancierte sie zum Star der amerikanischen Tattoo-Szene. Auch in Europa ist die Meisterin der Körperkunst inzwischen vielen ein Begriff – und das nicht nur als neue Flamme an der Seite von Sandra Bullocks Ex-Mann Jesse James. Weiterlesen »

Karen Duve • Anständig essen. Ein Selbstversuch • Galiani, 2011

Wenn ich das Wort „frutarisch“ in meinen Computer tippe, dann wird es sofort rot unterringelt, weil meine Rechtschreiberkennung nicht weiß, was das ist. Zugegeben, ich hatte bis zur Lektüre von „Anständig essen“ auch nur eine vage Vorstellung von Frutariern: eben die Spinner, die nur Obst essen, was von alleine vom Baum fällt.
Ähnlich ging es Karen Duve, die im Brandenburgischen gemeinsam mit ihren Haustieren lebt und die nur arbeiten kann, wenn sie Schokolade, Katzenpfötchen, Grillhähnchenpfanne in Aluschale isst und ziemlich viel Cola-Light trinkt. Diesen Lebensstil verteidigt sie zwar, als ihre Freundin Kerstin bei ihr einzieht. Gleichzeitig ahnt sie aber, dass er den Argumenten gegen den Genuss von Qualfleisch kaum standhalten kann. Weiterlesen »

Leena Krohn • Stechapfel • Blumenbar Verlag, 2006

„Die Wirklichkeit ist nur eine Arbeitshypothese“, stellt die Ich-Erzählerin in Leena Krohns Roman fest. Die fi nnische Autorin, die mit Stechapfel erstmalig auf Deutsch erscheint, reiht sich mit der literarischen Umsetzung dieser Erkenntnis in die Traditionen des Surrealismus ein. Allerdings liefert Krohn einen konkreten Auslöser für die bewusstseinserweiterte Weltwahrnehmung: die Samenkapseln des Stechapfels oder auch „Datura“, einer Pflanze mit „krimineller Vergangenheit“, von der Erzählerin heillos unterschätzt. „Man weiß schlicht nicht, was Pflanzen eigentlich sind. Wir nehmen an, sie seien ungefährlich, machtlos, passiv. Welch ein Irrtum! Auf dem Erdball gibt es keine gewaltigere Macht als die des Pflanzenreichs.“

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Sarah Kuttner • Mängelexemplar • Fischer Verlag, 2009

Mein Blick blieb am Cover hängen. Genauso soll es ja auch funktionieren, das Konzept der Kulturindustrie: Die Umwandlung des immer Gleichen. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Ein Umschlag in Knitteroptik, weiß, vielleicht hellgrau, unten links eine aufgedruckte Sicherheitsnadel, die versuchen soll, das Mängelexemplar zu kitten. Hat leider nicht funktioniert. Das Äußere erinnert an ein vor einiger Zeit erschienenes rosa Büchlein, mit Heftpflaster auf dem Umschlag. Darin ging es gar nicht mädchenhaft rosa zu, und so manchem lieferte es zu viele Innenansichten. Innensicht gibt es auch beim weißen Buch mit der Sicherheitsnadel, jedoch eher die psychische, statt physische der Protagonistin: Karo hat eine Depression. Das erfährt man schnell. Gleich auf der ersten Seite sitzt sie nämlich im Sprechzimmer vom „Popstarpsychiater“.

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Daniel Kehlmann • Ruhm • Rowohlt Verlag, 2009

Die Spielregeln setzt der Autor und nicht der Kritiker. Friedrich Dürrenmatt wusste das in den 70ern und Daniel Kehlmann weiß es heute. Die Spielregeln, welche sind damit gemeint? Nun, zuerst einmal die der Literatur. In Kehlmanns neuem Roman Ruhm sind die Spielregeln kompliziert, die Akteure weder eindeutig gekennzeichnet noch wird klar, wer hier überhaupt mit wem und gegen wen spielt. Und das Spielfeld ist – na ja, unbestimmt. Denn es ist der Roman, der sowohl Spielfeld als auch Spielball ist. Und in diesem geht es weder um Simples noch um Banales – denn Thema sind Mensch und Kunst. Und um das Spiel geht es auch. Denn dieses beherrscht der Autor von sechs Romanen und einigen Erzählungen so virtuos, wie es einst der Magierlehrling Beerholm verstand, die Grenzen zwischen Schein und Sein aufzulösen.

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