Jedem Juristen und Historiker ist der C. H. Beck-Verlag ein Begriff. Unter Literaturfreunden ist er kaum bekannt, was weniger an seiner Qualität als an der geringen Anzahl seiner publizierten Titel liegen dürfte. Eine der aktuellen Neuerscheinungen ist Die Leinwand von Benjamin Stein. Der zweite Roman des gebürtigen Berliners hebt sich bereits dadurch ab, dass er zwei Vorderseiten hat, hinter denen sich jeweils eine 200-seitige Geschichte verbirgt, die in der Mitte des Buches aufhört.
Benjamin Stein • Die Leinwand • C.H. Beck, 2010
Daniel Kehlmann • Ruhm • Rowohlt Verlag, 2009
Die Spielregeln setzt der Autor und nicht der Kritiker. Friedrich Dürrenmatt wusste das in den 70ern und Daniel Kehlmann weiß es heute. Die Spielregeln, welche sind damit gemeint? Nun, zuerst einmal die der Literatur. In Kehlmanns neuem Roman Ruhm sind die Spielregeln kompliziert, die Akteure weder eindeutig gekennzeichnet noch wird klar, wer hier überhaupt mit wem und gegen wen spielt. Und das Spielfeld ist – na ja, unbestimmt. Denn es ist der Roman, der sowohl Spielfeld als auch Spielball ist. Und in diesem geht es weder um Simples noch um Banales – denn Thema sind Mensch und Kunst. Und um das Spiel geht es auch. Denn dieses beherrscht der Autor von sechs Romanen und einigen Erzählungen so virtuos, wie es einst der Magierlehrling Beerholm verstand, die Grenzen zwischen Schein und Sein aufzulösen.
David Schumann • The Tokyo Diaries • Rockbuch, 2009
In Zeiten von Internet-Blogs gehören Online-Tagebücher zu Auslandsaufenthalten wie anfängliches Heimweh. David Schumann, Japanologie-Student aus Köln, machte sich im März 2005 auf die Reise nach Tokio um dort ein Auslandssemester zu absolvieren. Auch er schrieb seine Erlebnisse auf, offline und nur für sich und seine Freunde. Jahre später teilt er nun seine Erfahrungen mit der breiten Masse, allerdings in klassischer Buchform unter dem Titel The Tokyo Diaries. Für den Leser fühlt es sich ein bisschen so an, als würde er das private Tagebuch von David Schumann in den Händen halten. Denn der Autor schreibt von den Startschwierigkeiten in einem fremden Land mit fremden Menschen und einer komplett anderen Kultur. Zunächst ist er auf sich allein gestellt in mitten der 8,5 Millionen Metropole.
Edo Popovic • Kalda • Voland & Quist, 2008
In der Nacht, nachdem er seinen Vater wieder gesehen hat, kniet Kalda vor der Kloschüssel und steckt sich den Finger in den Hals. Er will alles loswerden, ins Klo kotzen: Die ganze kaputte Vergangenheit, den Krieg, die Eltern – all die Dinge, die er bisher verdrängt hat und dank denen er sich fühlt „wie jemand, dem man die Haut abgezogen hat“. Verdammt drastisch blickt Kalda in Edo Popovics gleichnamigem Roman auf sein Leben. Ende der 60er Jahre in einem Arbeiterviertel Zagrebs geboren, hat Kalda früh gelernt sich nicht auf seine Eltern zu verlassen.
Jonas T. Bengtsson • Submarino • Klett-Cotta, 2009
Mit seinem Roman Submarino gibt Jonas T. Bengtsson einen radikal realistischen Einblick in eine brutale Welt am Rande der Gesellschaft. Genauer gesagt, in die Welt von Nick und seinem älteren Bruder, die in Kopenhagen leben und deren Leben schon sehr früh aus den Bahnen geraten sind. Gemeinsam hatten sie Erlebnisse, die sie noch immer prägen, seien es die Abstürze ihrer alkoholkranken Mutter oder das Bild des kleinen Bruders, der eines Morgens ganz still in seinem Bett lag und nie wieder aufgewachte. Trotz der gemeinsamen Kindheit, haben die Brüder aber kaum Kontakt zueinander. Jeder lebt sein eigenes Leben und seine eigenen Katastrophen.



