Sixes And Sevens heißt das fünfte Soloalbum des amerikanischen Songwriters Adam Green. Zuletzt debütierte er noch als Verfasser eines skurrilen Gedichtbandes, mit dem der introvertierte Hobbyliterat vor allem in Deutschland Erfolge feierte. Inzwischen wohnt der 27-Jährige sogar in Berlin. Mit seiner neuen Platte beweist der Crooner erneut, dass seine Stärken im Geschichtenerzählen liegen. Sage und schreibe 20 Titel enthält das Kunstwerk – da darf man getrost von einem Langspieler sprechen. Doch diesmal klingt alles überraschend anders: etwas weniger Dylan, dafür ein guter Schuss Motownsoul, viele Bläser, Gospelchöre und Perkussionen. Eben möchte man Sirtaki tanzen, im nächsten Moment wähnt man sich im Bacardi-Feeling. Sixes And Sevens ist ein bunter Hund – sein Herzstück sind die intelligenten Lyrics: ständig flackern Witz und Kreativität auf. Was anfangs irritiert, findet schnell Gefallen. Am Ende schafft es der verträumte Entertainer doch wieder, uns charmant um den kleinen Finger zu wickeln. (André Gieße)
Adam Green • Sixes And Sevens • Rough Trade, 07.03.08
Akte X – Jenseits der Wahrheit

© Fox
„Fight the Future“ war schon Mitte der 90er-Jahre auf dem Höhepunkt des „Akte X“-Booms das Motto der TV-Serie – was immer das eigentlich heißt. Jetzt ist das Format mit dem zweiten Kinofilm nach 1998 endgültig in seiner eigenen Zukunft angekommen, und kein Zweifel: „Akte X“ ist nach wie vor Kult. In einer matten 08/15-Fernseh-Landschaft gehörte die TV-Serie zum Besten, was es gab, auch wenn alles manchmal wirkte wie eine besonders langatmige Verschwörungstheorie. Jetzt kommen die Abenteuer von Mulder und Scully zum zweiten Mal bei uns auch ins Kino. Eine Frage, die man sich stellen muss, ist, warum ausgerechnet diese Serie die Gemüter vor dem 11. September 2001 so ungemein faszinierte, seitdem aber nicht mehr?
Alle Anderen, 2009

© Prokino
Menschen in der Sonne; Deutsche im Urlaub. Ein junges Paar in Sardinen. Man badet, wandert in den Bergen, wohnt im Ferienhaus der Eltern. Es sind sehr präzis definierte Mittelstandsverhältnisse, von denen die Berliner Regisseurin Maren Ade erzählt: Ihre beiden Protagonisten – gespielt durch die Theaterdarsteller Birgit Minichmayr und Lars Eidinger – sind knapp über 30, stammen aus gutbürgerlichem Hause. Diese sozialen Ausgangslagen und Wertmaßstäbe bestimmen auch die Dynamik ihrer Partnerschaft. In der Beziehung sind die Machtverhältnisse undurchdringlich. Als die beiden einem zweiten, befreundeten Paar begegnen, wird dies für die Hauptfiguren zum Katalysator für Veränderungen im eigenen Liebesleben. Die Spannung zwischen ihnen wächst, und die erprobten Beziehungsrituale geraten ins Wanken.
Amoral • Reptile Ride • Spikefarm Records, 21.09.07
Amoral haben sich auf Reptile Ride nochmals deutlich weiterentwickelt. Standen sich die progressiven Death Metaller vormals mit ihren technisch hochklassigen Fähigkeiten häufi ger selbst im Weg, haben sie den Kniff auf Reptile Ride nun endlich raus, trotz des extrem hohen technischen Anspruchs, der vor genialer Spielkultur zum einen und vor bahnbrechender Brutalität zum anderen strotzt, komplexes Songwriting mit nachvollziehbareren Songstrukturen zu vereinen, die vor allem durch die noch immer leicht an Children of Bodom angelehnten Melodiestrukturen zu überzeugen und zu begeistern wissen. Die Gitarrenmelodien, zum Teil doppelläufig von den Gitarristen verbraten, sind der größte Pluspunkt auf dem Album, das außerdem noch mit einem satten Drumsound, einem gut genährten Bass und einer eher thrashigeren Soundnote zu überzeugen weiß. Amoral haben ihre Linie gefunden, sich vor allem auf ihre melodischen Stärken besinnt, die irgendwo im traditionellen Metal Muttermilch saugten, und ein grenzenüberschreitendes Werk abgeliefert, das trotz aller Musikalität eine gesunde und zum Teil brutal nach vorne schiebende Härte nicht vermissen lässt. Endlich ein wirklich gelungenes Album der Finnen, auch wenn das Cover wirklich billig aussieht. (Dirk Wettlaufer)
B.R.M.C • Beat The Devil’s Tattoo • Cooperative/Universal, 12.03.10
Nach dem rüden Instrumentalwerk „The Effects Of 333“ macht der Black Rebel Motorcycle Club auf seinem fünften Studioalbum wieder mit bluesinfizierten Rocksongs von sich reden. Der Titel „Beat The Devil’s Tattoo“ ist einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe entlehnt und spielt Bandaussagen zufolge auf Nerventicks wie nervösem Fingertrommeln an. Mit dem neuen Material schlagen die Schwarzledernen aus San Francisco Brücken zwischen den verschiedenen Schaffensphasen ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte. Trotz einer personellen Frischzellenkur – Leah Shapiro hat Nick Jago hinter dem Schlagzeug ersetzt – verzichtet der Dreier diesmal auf jegliche Experimente. Zum stampfenden Beat der Ex-Raveonettes-Drummerin und dem rauchigen Gesang von Peter Hayes und Robert Levon Been durchsieben heulende Stromgitarren trübe Klangschwaden. Neben psychedelisch pulsierenden Brennstäben servieren B.R.M.C. aber auch feinfühligen Americana, weshalb Akustikklampfe und Mundharmonika nicht fehlen dürfen. (André Gieße)
