Broken Bells • Broken Bells • Sony BMG, 05.03.10

Mit Brian Burton alias Danger Mouse und The Shins-Sänger James Mercer haben zwei Koryphäen der US-Indie-Szene zusammen ins Studio gefunden. Herausgekommen sind 20 Songs, von denen es zehn auf das Debütalbum Broken Bells geschafft haben. Mit Ausnahme der Streicher hat das Duo alle Instrumente selbst eingespielt. Von Mercer stammen die Gesangs-, Gitarren- und Bass-Parts, Burton ist an Orgel, Schlagzeug, Klavier, Synths und Bass zu hören. Der Mischpultmagier, bekannt als die eine Hälfte von Gnarls Barkley oder Gorillaz-Produzent, bezeichnet das Soundgemisch aus sphärischem Pop und groovigem Soul als „melodisch, aber experimentell“. Genres interessieren ihn nicht: Die Single „The High Road“ ist eine düstere Folkballade, das überirdische „Your Head Is On Fire“ könnte auch von den Beach Boys stammen und „Vaporise“ erinnert mit Bläser- und Orgelklängen an einen von Morricone komponierten Italo-Western-Klassiker. Die grandiose Platte der Broken Bells soll zum Glück kein One-Off-Projekt bleiben. (André Gieße)

Paucker • Miserable Junkie • Monohausen Records, 05.03.10

Mal nur vom Klavier begleitet, dann wieder mit der gesamten Band im Rücken, im nächsten Lied leise und traurig und dann wieder super zum Tanzen: Das Debüt Album von Paucker ist musikalisch sehr vielschichtig und doch immer vom Sound der 60er Jahre inspiriert. Auf den ersten Blick fällt einem dabei gar nicht so auf, dass die meisten Lieder einen düsteren Touch und melancholischen Beigeschmack haben. Lässt man sich weiter auf „Miserable Junkie“ ein, findet man eine sehr persönliche Platte, in der viel Herzblut und Leidenschaft steckt. „God has gone on Holiday“ ist dabei zum Beispiel die Suche nach etwas Übermenschlichen, begleitet von einem wahnsinnigen Basslauf. Trotz dass es Pauckers erstes Album ist, ist der studierte Musiker und Multiinstrumentalist nicht neu im Business, so unterstützt er seit 2007 die Jazzband Triband und war zuletzt als Bassist mit Thomas D unterwegs. Gut, dass Paucker sich jetzt auch ans Mikrofon traut und sein eigenes Ding macht, die Lieder sind es auf jeden Fall wert gehört zu werden. (Sonja Berg)

Jona Steinbach • Alles negieren • Cobretti Rec., 19.03.10

Seit Teilen was du weißt aus dem Jahr 2004 war es erstaunlich ruhig um den Liedermacher Jona Steinbach geworden. Jetzt, sechs Jahre später, erscheint sein drittes Album Alles negieren und irgendwie scheint es, als sei alles beim alten und Jona nie wirklich weg gewesen. Einzige Veränderung: Erstmals ziert auch sein Nachname das Plattencover. Musikalisch drehen sich die Songs immer noch um Jonas sanften Gesang. Begleitet wird dieser von Gitarrenklängen, ein paar Bläsern und vereinzelten elektronischen Spielereien. Der Deutschpop des Kölners klingt wie eine Mischung aus Tomte und Die Sterne, nur dass Jona mittlerweile seine Stimme wesentlich sauberer einsetzt als Tomte-Kopf Thees Uhlmann. Alles negieren ist eine schöne, leichte Singer-Songwriter-Platte, auf der Jona viele Geschichten aus dem Alltag erzählt. Zeilen wie „Mit Dir ist alles so viel besser als allein“ aus dem Schlusslied „Mario“ berühren. Und „Alles negieren“ eignet sich als kleiner, aber sehr feiner Begleiter für das Jahr 2010. (Sonja Berg)

Erik Sumo Band • The Trouble Soup • Le Pop Musik, 26.02.10

Unsere musikalische Reise durch unzählige Neuerscheinungen macht einen Stopp im selten besuchten Ungarn. Auf dem Cover von „The Trouble Soup“  prangt dick und breit ein Kochtopf und natürlich denkt man sofort an Gulasch. Doch denkste, das ist nämlich gar kein Kochtopf, sondern ein verflixt gut getarnter Hexenkessel voller bunter Popmusik. Ein Typ, der sich Erik Sumo nennt, original aber auf einen dieser ungarischen Zungenbrechernamen hört, rührt da drinnen ein teuflisches Zeug mit hohem Suchtfaktor zusammen. „Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen, Bass und Schlagzeug müssen krachen!“  Gut so! Und es kracht Song auf Song, quer durch den stilistischen Schubladenschrank, dafür aber spätestens beim 2. Durchlauf voller Hitpotential. Zwei Sängerinnen, ein Sänger – japanischer Folksong trifft Rockabilly-Sound. Afro-Blues und noch so einiges mehr. Besonders cool ist der schräge Klang einer alten DDR-Vermona-Orgel. „Disco In My Head“  und „Secon“ sind echte Ohrwürmer. Langeweile klingt anders. (Michael Baller)

Turin Brakes • Outburst • Cooking Vinyl, 26.02.10

Die Turin Brakes haben den Reset-Knopf gedrückt: Nach mehr oder weniger erfolgreichen Jahren auf dem Gehaltszettel großen Plattenfirmen veröffentlicht das Duo aus London nun erstmals ein Studioalbum beim schnuckeligen Indie-Label Cooking Vinyl. „Je weniger Vermittler es zwischen uns und den Leuten gibt, die sich für unsere Musik interessieren, desto besser“, erklärt Olly Knights. Für den ihn und seinen Kollegen Gale Paridjanian ist Outbursts auch künstlerisch ein Neuanfang. Von beiden Freunden in Eigenregie eingespielt, aufgenommen und produziert stellt das fünfte Werk eine Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitsweise der Band dar. Entsprechend verzaubern ihre sonnigen Popsongs und gefühlsbetonten Folknummern überwiegend durch Gitarre und Gesang. Dabei geht der von Akustikklampfen getragene, apokalyptisch anmutende Eröffnungstrack „Sea Change“ ebenso unter die Haut wie der bittersüße „Rocket Song“ oder „Paper Heart“, ein Klagelied im Walzertakt mit majestätischen Piano- und Streicherpassagen. (André Gieße)