David Schumann • The Tokyo Diaries • Rockbuch, 2009
In Zeiten von Internet-Blogs gehören Online-Tagebücher zu Auslandsaufenthalten wie anfängliches Heimweh. David Schumann, Japanologie-Student aus Köln, machte sich im März 2005 auf die Reise nach Tokio um dort ein Auslandssemester zu absolvieren. Auch er schrieb seine Erlebnisse auf, offline und nur für sich und seine Freunde. Jahre später teilt er nun seine Erfahrungen mit der breiten Masse, allerdings in klassischer Buchform unter dem Titel The Tokyo Diaries. Für den Leser fühlt es sich ein bisschen so an, als würde er das private Tagebuch von David Schumann in den Händen halten. Denn der Autor schreibt von den Startschwierigkeiten in einem fremden Land mit fremden Menschen und einer komplett anderen Kultur. Zunächst ist er auf sich allein gestellt in mitten der 8,5 Millionen Metropole.
Wolf Haas • Das Wetter vor 15 Jahren • Hoffmann und Campe, 2006
Was haben ein Kriminalroman und ein Liebesroman gemeinsam? Oder: Können Krimiautoren auch Liebesromane schreiben? Wolf Haas hat erfolgreich sieben Krimis veröffentlicht. Dreimal hat er den Deutschen Krimipreis gewonnen. Zwei seiner Bücher, Komm, süßer Tod und Silentium!, sind verfilmt worden, weitere Verfilmungen sind geplant. Und plötzlich, nach Erscheinen von Das ewige Leben. Ein neuer Fall für Simon Brenner (2003), hatHaas verkündet, nun keine Kriminalromane mehr zu schreiben. Einfach so. Ganz so leicht schien das Betreten neuer literarischer Gefilde dann aber doch nicht gewesen zu sein, denn zwischen seiner Absage an das Krimi-Genre und dem Erscheinen von Das Wetter vor 15 Jahren liegen ganze drei Jahre.
Sarah Kuttner • Mängelexemplar • Fischer Verlag, 2009
Mein Blick blieb am Cover hängen. Genauso soll es ja auch funktionieren, das Konzept der Kulturindustrie: Die Umwandlung des immer Gleichen. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Ein Umschlag in Knitteroptik, weiß, vielleicht hellgrau, unten links eine aufgedruckte Sicherheitsnadel, die versuchen soll, das Mängelexemplar zu kitten. Hat leider nicht funktioniert. Das Äußere erinnert an ein vor einiger Zeit erschienenes rosa Büchlein, mit Heftpflaster auf dem Umschlag. Darin ging es gar nicht mädchenhaft rosa zu, und so manchem lieferte es zu viele Innenansichten. Innensicht gibt es auch beim weißen Buch mit der Sicherheitsnadel, jedoch eher die psychische, statt physische der Protagonistin: Karo hat eine Depression. Das erfährt man schnell. Gleich auf der ersten Seite sitzt sie nämlich im Sprechzimmer vom „Popstarpsychiater“.

