Mai 2010

April 2010

MGMT • Congratulations • Columbia/Sony Music, 09.04.10

„Wie Surfen auf Ecstasy.“ Mit diesem Bild beschreiben MGMT aus New York ihr zweites Album. Der Vergleich passt wie Arsch auf Eimer. Und zwar nicht nur wegen des knallbunten Comiccovers. Begeisterten die beiden Paradiesvögel Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser auf ihrem furiosen Debüt vor zwei Jahren noch mit einer postmodernen Hitmixtur aus Hippietum und New Wave, eröffnet sich dem Hörer nun ein komplexes Gesamtkunstwerk aus schrammeligen Gitarren und schrillen Keyboards. Auf seiner musikalischen Odyssee plündert das Duo die letzten fünf Dekaden; passiert überschwänglichen Surfpop, kentert in psychedelischem Folkrock und strandet schließlich bei trashigem Elektrosound. Auch wenn MGMT diesmal jegliche Art von Ironie über Bord geworfen haben wollen, wirken die Lyrics verschroben. Während der Opener „It’s Working“ den Klimawandel thematisiert, handelt das zwölfminütige „Siberian Breaks“ vom Wellenreiten im Nordpolarmeer vor Russland. Zu Nebenrollen darf man übrigens Lady Gaga und Brian Eno gratulieren. (André Gieße)

Donots • The Long Way Home • Solitary Man/Indigo, 26.03.10

„Changes“ heißt das erste Stück auf dem neuen, mittlerweile achten Studioalbum der Donots. Ein Lied, das nicht ohne Grund „The Long Way Home“ eröffnet. Den Richtungswechsel, den sie mit der letzten Platte „Coma Chameleon“ eingeläutet haben, setzen die fünf Jungs aus Ibbenbüren darauf fort. So kommen neue Instrumente, darunter Akustikgitarren, zum tragen und in den Refrains hört man öfters Chöre. Aber die Donots wären nicht die Donots, wenn es nicht auch Songs gäbe, die einem mitten in die Fresse schlagen und deren Hooks einem nicht mehr aus dem Ohr gehen. „Calling“, die erste Single, ist so einer: Es handelt sich um einen Rockdiskokracher, von dem man denken könnte, dass man es schon sein ganzes Leben kennt. Mit „The Long Way Home“ markiert die Band die Rückkehr zu ihren Wurzeln und deshalb haben die Songs auch erstmals einen 80er-Jahre-Wave-Einschlag. Selbstbewusst und detailverliebt präsentieren die Donots die elf Stücke in einer neuen Art und Weise, bleiben sich dabei aber immer treu. (Sonja Berg)

B.R.M.C • Beat The Devil’s Tattoo • Cooperative/Universal, 12.03.10

Nach dem rüden Instrumentalwerk „The Effects Of 333“ macht der Black Rebel Motorcycle Club auf seinem fünften Studioalbum wieder mit bluesinfizierten Rocksongs von sich reden. Der Titel „Beat The Devil’s Tattoo“ ist einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe entlehnt und spielt Bandaussagen zufolge auf Nerventicks wie nervösem Fingertrommeln an. Mit dem neuen Material schlagen die Schwarzledernen aus San Francisco Brücken zwischen den verschiedenen Schaffensphasen ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte. Trotz einer personellen Frischzellenkur – Leah Shapiro hat Nick Jago hinter dem Schlagzeug ersetzt – verzichtet der Dreier diesmal auf jegliche Experimente. Zum stampfenden Beat der Ex-Raveonettes-Drummerin und dem rauchigen Gesang von Peter Hayes und Robert Levon Been durchsieben heulende Stromgitarren trübe Klangschwaden. Neben psychedelisch pulsierenden Brennstäben servieren B.R.M.C. aber auch feinfühligen Americana, weshalb Akustikklampfe und Mundharmonika nicht fehlen dürfen. (André Gieße)

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