Zu spät kommen darf man nicht, denn rasant, mit einer Art Film im Film, geht es los: Eine Kutsche wird verfolgt, sie rast durch die Londoner Nacht, die sich aus Düsternis, Nebel, Regen, Trottoir und gesichtslosen Zylinderträgern zusammensetzt, als tauchte gleich um die Ecke noch Jack the Ripper auf. Dabei ist es ein anderer Serienkiller, der hier alle in Atem hält.
Lord Blackwood heißt er und will gerade seinen sechsten Ritualmord – nackte Jungfrauen und schwarze Messe – begehen, als ihm Holmes und Watson zuvorkommen: Zwei durchtrainierte, gutaussehende Männer, kampfsporterprobt, wie sie unter Beweis stellen, als sie Blackwoods Schergen außer Gefecht setzen.
Guy Ritchies Sherlock Holmes ist fraglos eine modernisierte Version des Stoffes. Trotzdem bleibt sie ihrer Vorlage durchaus treu, die zu den meistverfilmten gehörte, wenn sie auch selbst mit Basil Rathbone, der 14 Mal als Sherlock Holmes auf der Leinwand stand, nie so erfolgreich war, wie andere. Einflussreich ist Sherlock Holmes eher indirekt: Als Archetyp des Detektivs, des Privatermittlers in Kriminalgeschichten. Er ist Vorbild für zahllose Detektive der Popkultur von Hercule Poirot bis Nick Knatterton.
Keine Sherlock-Holmes-Geschichte kommt ohne zwei Aspekte aus: Zum einen ist Holmes ein Privatermittler. Das heißt, er wahrt immer gesunde Distanz zur Obrigkeit. Geht es um Polizei und Staat ist Misstrauen angesagt, aus Erfahrung und der Gerechtigkeit halber. Zum anderen sein Blick auf die Welt: Der Detektiv a la Conan Doyle ist nämlich ein Philosoph, seine Methode ist die archetypische Erkenntnisweise der Moderne. Er ist ein Flaneur, der Empirismus und Beobachtungsgabe mit Rationalität verbindet – ein klassischer Aufklärer.
Ritchies Sherlock Holmes verbindet Elemente des hypermodernen Actionkinos – Martial-Arts, Coolness, Kinetik – mit dem Reiz des Viktorianischen, zu dem London-Accessoires wie Schmutz, Elend und Scotland Yard ebenso gehören, wie gewisse Manierismen. Im Grunde, das ist der eine Wermutstropfen, hätte man daraus noch viel mehr machen können. Der zweite ist der, dass dieser Holmes zwar sehr unterhaltsam und spannend ist, irgendwie doch wirkt, wie ein James Bond des 19. Jahrhunderts. Immerhin darf Robert Downey den jetzt spielen und ist hier streckenweise fast zu gut für den Film. Gründe also sich auf diesen Holmes zu freuen und auf seine bereits sicheren Fortsetzungen. Koksen darf Holmes übrigens immer noch, nur rauchen leider nicht mehr. (Rüdiger Suchsland)
Sherlock Holmes
Action Krimi
Kinostart: 28.01.2010
Regie: Guy Ritchie
