Dass Musik von jeher grenzenlos war, unterstreicht die neuste Veröffentlichung aus dem Hause Compost Records. Während das EU-Parlament Griechenland am Hacken hat und man über den Beitritt von Kroatien und der Türkei verhandelt, ist die Clubkultur des Balkans unlängst angekommen im Herzen eines geeinten Europas. Dabei geht es an dieser Stelle nicht um Balkanbeats und Gipsysounds. Eddy meets Yannah machen Musik, die einen vermeintlichen Retro-Charme von House Music der Spätneunziger vergessen lässt. Kein folkloristischer Konservenbrei der Marke „Dragostea Din Tei“ oder sonstiger Horrorszenarien des Eurovision Song Contests. Eddy produziert glasklare Perlen aus Neo-Jazz, Brokenbeat, House und Pop. Yannah singt dazu ungetrübte Textpassagen in englischer Sprache. Im Guten wie Mark De Clive-Lowe oder 4Hero; bisweilen ein wenig cheesy und arg glatt poliert. Zagreb hat längst seinen Platz in der europäischen Clubszene. Leider sind dabei Ecken und Kanten den Mühlen eines einheitlichen Sounds zum Opfer gefallen. (Falco Stienen)
Eddy meets Yannah • Fiction Jar • Compost Records, 26.03.10
Wallis Bird • New Boots • Columbia/Sony Music, 02.03.10
Auch in diesem Monat liefert Columbia Berlin ein interessantes Scheibchen Songwriterkost zum Probehören ab. Kann man sich wirklich dran gewöhnen. Nach dem immer noch fulminanten Asaf Avidan in der letzten Ausgabe geht die Reise diesmal gen Irland, woher die 26-jährige Sängerin und Songschreiberin Wallis Bird stammt. Den Gedanken an publastigen Folk irischer Art könnt ihr sofort zur Seite legen, damit hat New Boots nichts am Hut. Eher passt sie in die Liga junger Musikerinnen a la Amy McDonald oder einer Duffy, ohne diese zu kopieren. Durchweg eingängig und trotzdem immer wieder erkennbar sind ihre Songs. Allein die erste Singleauskopplung „To My Bones“ wird nach dem bereits erfolgreichen 2007er Debüt Spoons ihre Bekanntheit erneut vorantreiben, schließlich hat der Song einiges an Hitpotential. Besonders reizvoll: Nach den elf durchweg stimmigen Songs gibt es als Bonus ganze fünf Livetracks und damit einen Lustmacher auf ein Wallis Bird Konzert obendrauf. (Michael Baller)
The Album Leaf • A Chorus of Storytellers • Sub Pop, 05.02.10
Mit einer Platte von The Album Leaf verhält es sich wie mit einem Mondspaziergang: Ohne es vermeiden zu können, verliert man die Bodenhaftung. Seit zehn Jahren entwirft Jimmy LaValle, kreativer Kopf des Projekts, traumhaft schöne Soundlandschaften und gaukelt unseren Synapsen das Gefühl der Schwerelosigkeit vor. Im Gegensatz zu den Anfangstagen im heimischen Schlafzimmer hat der Multiinstrumentalist und Songwriter aus San Diego für die Aufnahmen des sechsten Albums erstmals seine Tourband ins Studio gelassen. Der Titel A Chorus Of Storytellers reflektiert diese Trendwende: „Es hat fast drei Jahre gedauert, das Album aufzunehmen. So viele verschiedene Dinge haben da hineingespielt und es verbergen sich viele Geschichten dahinter“, sagt LaValle, der sich zunehmend vom Tüftler zum Sänger mausert. Er betört durch minimalistische Elektronikklänge und zarten LoFi-Pop. Getragen werden seine elf unaufdringlichen Kompositionen von Gitarre, Keyboard, einem isländischen Blasensemble und ein paar Sinfonikern. (André Gieße)
