Sherlock Holmes

Zu spät kommen darf man nicht, denn rasant, mit einer Art Film im Film, geht es los: Eine Kutsche wird verfolgt, sie rast durch die Londoner Nacht, die sich aus Düsternis, Nebel, Regen, Trottoir und gesichtslosen Zylinderträgern zusammensetzt, als tauchte gleich um die Ecke noch Jack the Ripper auf. Dabei ist es ein anderer Serienkiller, der hier alle in Atem hält.

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Boxhagener Platz

Was geschah eigentlich 1968 in der DDR? Boxhagener Platz, der erste Kinospielfilm des Fernsehregisseurs Matti Geschonnek, geht dieser Frage nach. Er versucht in prägnanten Bildern und sensibler Erzählweise einzufangen, was in Ostberlin geschah, während im Westen die Studenten revoltierten. Soviel ist schnell klar: Auch in Ostdeutschland waren die späten Sechziger eine wilde Zeit.

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Vampire Weekend • Contra • Xl/Beggars Group, 08.01.10

Nach dem Überraschungserfolg ihres Debüts lassen Vampire Weekend erneut das Zebra von der Leine. Wie zwei Jahre zuvor mischen sie auch auf ihrem Zweitwerk die Indie-Rock-Szene mit polyrhythmischen Afrobeats auf. Unbekümmert spielen die New Yorker dabei mit verschiedensten Instrumenten (gegen Rasseln und Handtrommeln wirken Gitarre, Piano, Synthesizer und Streicher fast schon bieder). Contra sprudelt über an frischen Ideen, glänzt mit tollen Melodien und ist hochgradig ansteckend. Gleich im Eröffnungstrack serviert das Quartett um Sänger Ezra Koenig spanische Erfrischungsgetränke zu Wintertemperaturen. In den darauf folgenden neun Songs bewegen sich seine Bandkollegen zwischen Ska, Funk, Dancehall und Weltmusik. „Wir klingen mehr wie Vampire Weekend als auf der ersten Platte“, sagt Schlagzeuger Christopher Tomson. Neben leichtfüßigen Gute-Laune-Nummern haben diesmal auch nachdenkliche Stücke den Weg auf den Langspieler gefunden. Darin setzt sich die Jungs mit Themen wie Trennung und Tod auseinander. (André Gieße)

Blood Red Shoes • Fire Like This • Cooperative Music

Die Blood Red Shoes haben sich auf der letzten Tour wohl etwas viele DVD’s reingezogen. So lässt sich jedenfalls erklären, dass der Titel ihres zweiten Silberlings auf David Lnychs unheimliches TV-Seriendrama Twin Peaks anspielt. Auch musikalisch ließ sich das stürmische Duo aus dem britischen Brighton von der düsteren Stimmung des 90er-Jahre-Klassikers anstecken. Ihre neuen Songs sind langsamer und wirken dadurch noch härter. Analog in Liverpool aufgenommen und auf ein Minimum an Studiotechnik reduziert, erinnern sie an die Blütezeit des amerikanischen Grunge. „Wir wollten eine Platte wie In Utero von Nirvana aufzunehmen – ein echtes Rockalbum mit Herz, kein Machodreck“, erläutert Steven Ansell. Diese Ambitionen unterstreichen der Dummer und Gitarristin Laura-Mary Carter auch diesmal durch wuchtiges Geknüppel, wütende Gitarrenriffs und betont rotzigen Gesang. Kam das Vorgängeralbum noch mit abgeschliffenen Ecken daher, gibt sich Fire Like This als kantigeres Werk mit unbequemen Melodien. (André Gieße)

Dark Tranquillity • We Are The Void • Century Media Records, 26.02.10

Als einer der namhaftesten Repräsentanten der Göteborger Schule haben die schwedischen Melodic-Death-Metaller von Dark Tranquillity in der Vergangenheit in schönem Zweijahresrhythmus ihre Studioalben veröffentlicht. Somit war das Erscheinen von We Are The Void keine so große Überraschung – der Inhalt aber schon. Mehr denn je zuvor öffnet sich das Sextett um Frontmann Mikael Stanne neuen, wenngleich nicht unbedingt exotischen Einflüssen aus dem Gothic-Rock sowie dem Thrash- und Black-Metal-Bereich, um sie dem gewohnt vielschichtigen Dark Tranquillity-Stil einzuverleiben. So erweisen sich die sechs munteren Schweden auf We Are The Void als gleichermaßen nachdenkliche wie experimentierfreudige, wenn auch mitunter reichlich wütend wirkende Musiker mit einem Gespür für geradliniges Songwriting und eingehende Melodien, so sie denn angebracht sind, ohne jedoch jemals in oberflächliche Weinerlichkeit zu verfallen. Dank der kompromisslosen Vocals und der strengen Gitarrenriffs sowie des gnadenlos vorantreibenden Schlagzeugs ein in jeder Hinsicht überzeugendes Album. (Klaus-Peter Kaschke)