Von magischen Momenten und einem Stück Fernseh- und Musikgeschichte erzählt der neue Bildband Rockpalast, herausgegeben von niemand geringerem als Peter Rüchel himself. Er war es, der 1976 die Sendung Rockpalast für den WDR startete und damit neue Musik der breiten Masse zugängig machte. Während man heute das typische Musikfernsehen wegen Klingeltonwerbung nur schwer ertragen kann, war es in den 70ern eine kleine Revolution, die wilden Rocker live über den Äther zu schicken. Aus einer 30-minütigen Sendung entstand bald die Idee, ganze Konzerte live zu übertragen.
Die Veranstalter hatten zuerst Angst, ihre Bands dort live auftreten zu lassen. Sie dachten, sie würden dadurch weniger Konzerttickets verkaufen, weil man die Bühnenperformances schon im Fernsehen sehen konnte. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1977 wurde es dann aber Realität, die erste Rockpalast-Nacht wurde europaweit in Echtzeit in der ARD übertragen.
Dabei war unter anderem Rory Gallagher, der insgesamt fünf Mal im Rockpalast aufgetreten ist und dem ein eigenes Kapitel im Buch gewidmet wurde. Wolfgang Niedecken, Sänger von BAP, schrieb sein Kapitel gleich selbst und erzählt darin, was er und seine Band dem Rockpalast alles zu verdanken haben. Darunter auch, wie er 1982 extra seinen Griechenlandurlaub absagte, weil er gefragt wurde, ob er nicht bei der Rockpalast-Nacht auf der Loreley dabei sein wollte. Niedeckens persönlicher Antrieb für die Teilnahme war allerdings nicht die europaweite Ausstrahlung seiner Band, er wollte Rory Gallagher persönlich kennen lernen. Am Ende des Abends saß der BAP-Sänger zwischen Rory Gallagher und Eric Burdon auf der Loreley-Bühne und spielte „Knockin’ on Heaven’s Door“, ein Erlebnis, von dem Niedecken heute noch schwärmt.
Peter Rüchel schaffte es, die größten Bands davon zu überzeugen, für den Rockpalast zu spielen, darunter The Who oder auch Joe Cocker. Aber auch mit kleineren, damals noch unbekannten Künstlern bewies er ein glückliches Händchen, so spielten zum Beispiel U2 oder Bryan Adams eine ihrer ersten Deutschland-Shows für die WDR-Produktion.
Natürlich werden im Buch nicht nur die Glanzzeiten des Rockpalasts beleuchtet, seinem Ende zur Mitte der 80er Jahre sowie den vielen kleinen Ablegern bis hin zur Übertragung des Bizarre Festivals und Rock am Ring sind eigene Kapitel gewidmet.
Nicht nur textlich sondern auch bildlich stellt das Buch eine aufregende Zeitreise durch die letzten 30 Jahre dar. Darin paaren sich wilde Live-Aufnahmen mit persönlichen Backstage-Momenten. Der Fototeil ist wirklich für jeden Rockmusikfan ein Augenschmaus: ZZ Top, The Police, BAP, Iggy Pop aber auch Marilyn Manson, Queens Of The Stone Age, Coldplay und viele kleinere Bands wie Die Happy oder Readymade findet man hier.
Rockpalast – Peter Rüchels Erinnerungen ist für alle Musikliebhaber eine wahre Fundgrube und eine Reise in die Vergangenheit, die den Geschmack vieler Zuschauer prägte. (Sonja Berg)
