Edo Popovic • Kalda • Voland & Quist, 2008

In der Nacht, nachdem er seinen Vater wieder gesehen hat, kniet Kalda vor der Kloschüssel und steckt sich den Finger in den Hals. Er will alles loswerden, ins Klo kotzen: Die ganze kaputte Vergangenheit, den Krieg, die Eltern – all die Dinge, die er bisher verdrängt hat und dank denen er sich fühlt „wie jemand, dem man die Haut abgezogen hat“. Verdammt drastisch blickt Kalda in Edo Popovics gleichnamigem Roman auf sein Leben. Ende der 60er Jahre in einem Arbeiterviertel Zagrebs geboren, hat Kalda früh gelernt sich nicht auf seine Eltern zu verlassen.

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Minotaur Shock • Maritime • 4AD/Beggars

Zehn Gründe, warum ich Minotaur Shock liebe. 1. Seine Musik ist das fehlende Bindglied zwischen vordergründiger Attitude und grenzenloser Naivität. 2. David Edwards, der Typ hinter Minotaur Shock, ist im wirklichen Leben genau so, wie man ihn sich durch seinen musikalischen Output erhofft hatte: intelligent, vernuschelt, schlitzohrig, abstrakt. 3. Er veröffentlichte bislang auf Melodic Records, dem konkurrenzlosen Schmankerllabel aus Manchester, welches das Beste der Warp-Elektronicschule mit dem Besten der Morr-Popschule zu verbinden weiß.

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Martin Jondo • Rainbow Warrior • Homeground/Groove-Attack

Wenn es ein Typ schafft, ohne eigene Platte von den RIDDIMLesern zum Newcomer des vergangenen Jahres gewählt zu werden, dann ist eine gehörige Portion Neugier durchaus nicht unangebracht. Auch ist es dann vollkommen ok, wenn man (als Schreiber vor der Entscheidungsfrage stehend) sich statt der ebenfalls neuen PATRICE – Scheibe erst einmal den frischen Tunes eines Martin Jondo hingibt. So heißt der Typ, der mit Veröffentlichung seiner ersten EP auf dem Berliner Homeground – Label (Culcha Candela, Mellow Mark) endlich in die eigenen Puschen kommt und der Reggae-Family den langersehnten Stoff für einen hoffentlich bald kommenden Sommer liefert.

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The Accidents • All time high • Rock Alliance

Schon einmal in Schweden gewesen und Appetit auf ein kühles Bier gehabt? Das mit der Temperatur dürfte dabei für die Skandinavier das geringere Problem darstellen. Doch von wegen mal eben in der Kneipe an der Ecke oder gar im Lieblingsclub ein frisch gezapftes – nahezu unbezahlbar! Doch noch viel beklemmender ist das Gefühl, für richtiges Bier – wir reden mal nicht von skandinavischen „lättöl“ („leichtes Bier“ 2%Vol.) – in einen staatlichen „Systembolag“ – Laden zu gehen, dort eine Nummer zu ziehen und etwas später am Ladentisch seine alkoholischen Schätzchen für unverschämt teueres Geld in Empfang zu nehmen. Alles in allem also ziemlich fi ese Hürden, die einem die Lust am Thema Bier ganz schön verderben können. Daher verstehe ich es bis heute nicht, warum ausgerechnet aus dem Musikwunderland Schweden immer wieder Bands in unsere mitteleuropäischen CD-Player drängen, bei denen dann bereits nach den ersten zwei, drei Songs ein Gemisch aus Benzin und Bierdunst in der Luft liegt. Wie machen die das?

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Akte X – Jenseits der Wahrheit

© Fox

„Fight the Future“ war schon Mitte der 90er-Jahre auf dem Höhepunkt des „Akte X“-Booms das Motto der TV-Serie – was immer das eigentlich heißt. Jetzt ist das Format mit dem zweiten Kinofilm nach 1998 endgültig in seiner eigenen Zukunft angekommen, und kein Zweifel: „Akte X“ ist nach wie vor Kult. In einer matten 08/15-Fernseh-Landschaft gehörte die TV-Serie zum Besten, was es gab, auch wenn alles manchmal wirkte wie eine besonders langatmige Verschwörungstheorie. Jetzt kommen die Abenteuer von Mulder und Scully zum zweiten Mal bei uns auch ins Kino. Eine Frage, die man sich stellen muss, ist, warum ausgerechnet diese Serie die Gemüter vor dem 11. September 2001 so ungemein faszinierte, seitdem aber nicht mehr?

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