Fireworks Night sind eine Londoner Folk-Formation, um deren Frontmann James Lesslie sich von Song zu Song ganz unterschiedliche Musikerbesetzungen scharen. Dabei tauchen in den Credits zum aktuellen Zweitwerk As Fools We Are allein neun Namen auf, welche für die gefühlten dreißig verwendeten Instrumente verantwortlich sind. Ukuele, Glockenspiel, Akkordeon, Percussions, Säge – nichts, was hier wirklich fehlen würde. Doch glücklicherweise werden die daraus abgeleiteten Befürchtungen nicht bestätigt, vielmehr überrascht As Fools We Are schon beim ersten Durchlauf durch seine reduzierte Schlichtheit, die vor allem die tiefmelancholische Stimme Lesslies in den Mittelpunkt stellt. Nur stellenweise bricht man aus, kommen Tango und Klezmer ins Spiel. Besonders die im Duett eingesungenen Stücke fallen auf und erinnern ungewollt, aber sehr angenehm an den noch immer empfehlenswerten Soundtrack zu Once. Kein Feuerwerk, eher eine Platte für die stillen, einsamen Momente der Nacht.(Michael Baller)
Fireworks Nights • As Fools We Are • Kartel/RTD, 06.06.08
John Robinson • I Am Not For Sale • Fat City Records, 20.07.08
Anfang der 90er waren Scienz of Life Teil einer einmaligen Conscious Rap-Bewegung rund um die Herren Mos Def, Talib Kweli, Common und unzähligen weiteren, begleitet von einem schier endlosen Output hochwertiger Veröffentlichungen. Sei es drum – Scienz of Life sind genauso Geschichte wie Rawkus Records. Und Rapper Lil Sci veröffentlicht in diesem Monat unter dem Namen John Robinson sein Solodebüt I Am Not For Sale auf dem britischen Fat City Label. Der Name ist Programm und so reicht Mr.Robinsons Verbundenheit zum Untergrund soweit, dass bis dato, trotz
stehenden Releasedates, noch kein wirkliches Coverbild des Albums vorzufinden ist. Auch musikalisch hält das Album den alten Werten die Treue und bewegt sich sichtlich gelassen auf den bewerten Wegen seelenvoller Samplearrangements, zischender Snares und eines wuchtigen Boom Box-Basses. Unterstützung gibt es vom einzig wahren Maskenmann MF Doom, mit dem zusammen auch bereits ein eigener Langspieler in Planung sein soll. Kein Meilenstein, aber eine willkommene Abwechslung für ordentlichen Druck auf den I-Pod. (Falco Stienen)
Natural Self – The Art Of Vibration | Tru Thoughts, 30.06.08
The Art Of Vibration ist die Rückkehr zu den Wurzeln des Herrn Nathiel Pearn. Nach zahlreichen Singleveröffentlichungen auf dem Brightoner Label Tru Thoughts erscheint im Jahr 2006 Natural Selfs lang erwartetes und vollends vergriffenes Debütalbum auf dem Londoner Label Breakin Bread. Nach diversen Trainingseinheiten kehrt der Vorzeige-Beatschrauber 2008 zu seiner Heimat Tru Thoughts zurück und komplettiert somit den Katalog ausgezeichneter Produzenten von Freddie Cruger, über Nostaliga 77, bis hin zu Quantic. Die Vorab-Single The Rising featured UK Soul Sängerin
Andreya Triana und den Maestro höchstpersönlich am Mirkofon. Getreu dem Motto „They were caught in the rhythm“ unterstreichen Natural Selfs patentierte Bläsersätze einen antreibenden Teaser zum ausstehenden Langspieler. Dieser entwickelt sich in gewohnt tanzbarer Weise, unter den Einflüssen eines frühen Bomb Squad HipHop und Raw Funk der 60er und 70er, zu einem zeitlosen Tanzflurbrenner des Jahres. Im unbedingten Wechsel spielbar mit Lack of Afros – Press on. In diesem Sinne – Let the rythm touch your soul. (Falco Stienen)
Panteón Rococó – Panteón Rococó | Übersee Records (Alive), 06.06.08
Mit Langspieler Nummer vier melden sich Panteón Rococó pünktlich zur Festivalsaison zurück bei ihrer stetig gewachsenen europäischen Fanbase, die sich so z.B. beim Taubertal oder Eschweger Open Flair auf neues Material im Set der Mexikaner freuen darf. Dabei verbinden manche Zufallshörer den Sound aus Ska, Punk oder Reggae viel zu oft mit oberflächiger Gute-Laune-Partymucke und überhören die Nuancen, die Einflüsse der dreckigen Straßen elender Nachbarschaften auf der Schattenseite eines Molochs wie Mexiko City. Jedes Zucken des Tanzbeins legt gleichzeitig auch den Finger in die Wunde einer kranken Gesellschaft oder ungezügelter Globalisierung auf dem Rücken der Ärmsten. Keine romantisierenden Revolutionstheorien, hier geht’s ums Überleben. Im Vergleich zum Vorgänger Tres Veces Tres wirken die neuen Stücke rauer, phasenweise rockiger und doch bleibt auch diesmal kein Fuß auf der Stelle. Vor Jahren noch Insidertipp, sind sie heute auch in Europa eine Genregröße, auf die man zählen kann. (Michael Baller)
Sigur Rós – Med Sud I Eyrum Vid Spilum End | EMI, 20.06.08
Seit langem zählen Sigur Rós zu den erfolgreichsten Exportschlagern Islands. Die Songs ihres fünften Albums Med Sud I Eyrum Vid Spilum End (deutsch „Mit einem Brummen in unseren Ohren spielen wir endlos“) wurden diesmal aber nicht nur im Land der Feen und Elfen, sondern auch in New York, London und Havanna eingespielt. Heiter bis düster ist deren Stimmung, und sprunghaft wie das nasskalte Wetter der Atlantikinsel. Selten waren die hymnenhaften Arrangements des kauzigen Quartetts aus Reykjavik derart poppig und strukturiert. Drums, Bass, Gitarre und etliche
Orchesterinstrumente (u.a. vom Streichquartett Amiina) lassen beinahe gute Laune aufkommen. Knapp eine Stunde lang schwirren und flirren Melodien, verknüpfen sich mit sachter Elektronika zu epischen Klangteppichen. Dass wir es mit den Sigur Rós-Texten nicht so genau nehmen, dürfte auf der Hand liegen. Nur soviel: Statt in isländischer ist die elegische Falsettstimme von Frontmann Jónsi Birgisson erstmals auch in englischer Sprache zu hören. (André Gieße)
